Freiwillige „Manpower“ für Bergbauern in Südtirol
Von Mag. Manfred Kampusch, Graz
„Der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol hat sich zum Ziel gesetzt, jenen Bergbauernfamilien zu helfen, die in eine Notlage geraten sind oder deren Höfe sich in extremen Lagen befinden“, erläutert Monika Thaler, Koordinatorin des Vereines. Im heurigen Sommer habe ich es einfach selbst ausprobiert.
Die Unterstützung erfolgt durch die Mitarbeit von Menschen, die sich bereit erklären, eine gewisse Zeit am Hof freiwillig und unentgeltlich mitzuhelfen. Die Freiwilligen werden sowohl für die Erntearbeiten auf Feld und Wiese, als auch im Stall, im Wald, auf den Almen, im Haushalt und bei älteren oder behinderten Menschen gebraucht.
Man kann sich vielfältig einbringen und Arbeit fällt auf einem Bauernhof immer an. Besonders zur Ernte, zwischen Juni und September, wird die Hilfe am dringendsten benötigt. Die Arbeit ist meist sehr anstrengende Handarbeit, da Maschinen in den steilen Hängen kaum eingesetzt werden können.
1.700 Freiwillige im Jahr 2010
Frau Monika Thaler: „Der besondere Reiz der Einsätze liegt vor allem darin, hautnah die Lebensweise der Bergbauern zu erfahren. Die meisten Helfer kehren nach einem freiwilligen Einsatz mit dem Gedanken nach Hause, dass ihnen die Arbeit abseits vom Alltag, in freier Natur und frischer Luft, mehr gebracht als Mühen gekostet hat.
Im Jahr 2010 waren fast 1.700 Freiwillige insgesamt über 17.000 Tage im Einsatz. Der Großteil kam aus Deutschland, aber auch aus Südtirol selbst, Österreich, Ungarn, den Niederlanden, den USA und aus Russland. Die Arbeitseinsätze erfolgen meist in der Zeit der Heuernte zwischen Mai und September, aber genauso während des restlichen Jahres sind freiwillige Helfer immer willkommen. Verfügt man über keine Erfahrung im landwirtschaftlichen Bereich, ist eine Einsatzzeit von mindestens einer Woche ratsam. Wie lange man darüber hinaus am Hof mithilft, hängt vom Helfer selbst ab, wie viel Zeit er investieren kann. Wir betreuen derzeit ca. 300 Bergbauernhöfe in ganz Südtirol. Aufgrund der langjährigen Tätigkeit und mehrmaliger Besuche auf den Höfen, sind wir über jeden einzelnen Hof informiert und kennen die Bauersleute persönlich.”
Unterstützung für Bergbauern
Der Verein unterstützt ausschließlich bedürftige Bauernfamilien, die anhand genau festgelegter Kriterien geprüft werden. (z.B. mindestens 60 Erschwernispunkte laut Landeshöfekartei, die soziale und wirtschaftliche Situation der Bauernfamilie, das soziale Engagement der Bauernfamilie im Nachbarschafts- und Dorfleben). Jedes Ansuchen wird individuell beurteilt, wobei in die Bewertung die familiäre und finazielle Situation – z.B. Krankheits- und Pflegefälle, Behinderte am Hof, Alleinstehende, Witwen als Betriebsleiter, Schuldenlast usw. – einfließen.
Die Bauernfamilie bietet dem freiwilligen Helfer Unterkunft und Verpflegung, eine Unfall- und Haftpflichtversicherung schließt der Verein ab.
„Als entscheidendes Kriterium für die Auswahl der freiwilligen Helfer gilt die Überzeugung, mit der sie an die Sache herangehen. Erfahrung im lanwirtschaftlichen Bereich sind erwünscht, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme an einem freiwilligen Arbeitseinsatz. Grundsätzlich sollten die Helfer das 18. Lebensjahr vollendet haben. Bei der Auswahl des Einsatzhofes werden die Wünsche der Helfer nach Möglichkeit berücksichtigt“, erklärt Monika Thaler.
Der Südtiroler Bauernbund, die Diözesancaritas der Diözese Bozen-Brixen, der Landesverband Lebenshilfe und der Südtiroler Jugendring sind die Gründer und auch Träger des Vereines Freiwillige Arbeitseinsätze, der schon seit über einem Jahrzehnt für die Bauern in Südtirol aktiv Ist.
Flachlandbewohner findet Bergbauernhof
Die Arbeitswelt auf einem Bergbauernhof erfahren, wollte ich als „Flachlandbewohner” eigentlich schon immer. Internet sei Dank, bin ich auf den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze In Südtirol gestoßen und schickte dann meinen Antrag mit persönlichen Daten und auch den landwirtschaftlichen Kenntnissen. Es gab noch ein Telefonat, und ca. vier Wochen vor dem vereinbarten Termin habe ich fünf Hof-Vorschläge mit Fotos, Vorstellung der Familie und Basisinformationen zum Betrieb (z.B. Seehöhe, Flächen, Viehbestand) erhalten. Entschieden habe mich für den Innergruberhof der Familie Staffler in St. Nikolaus im Ultental.
Die Hofstelle liegt auf 1.560m Seehöhe und auf ca. 1.900m bewirtschaftet Bauer Andreas Staffler noch eine Alm. Über den Sommer befindet sich dort das Jungvieh und einige der laktierenden Kühe. Am Betrieb selbst waren 12 Kühe (Tiroler Grauvieh), die Kälber und 3 Ziegen neben dem Federvieh zu versorgen. Zirka zehn Hektar Grünlandflächen und an die 25 Hektar Wald gehören zum Betrieb. Das Wirtschaftsgebäude wurde 1999 neu errichtet.
Der Innergruberhof
Nach einigen steilen und schmalen Serpentinen erreichte ich die Hofstatt, die wie ein Adlernest am Hang „klebt”. Das Blumenmeer am Balkon des jahrhundertealten Wohnhauses und der üppige Hausgarten haben mich besondere beeindruckt. Nach einer guten, echten Tiroler Jause ging es gleich in den Stall. Altbauer Karl hat mir gleich gezeigt, wo was zu finden ist und wie es bei ihnen abläuft, denn die Stallarbeit war ja diese Woche mein Job. Von Montag bis Donnerstag wurde der zweite Schnitt in die Hochsilos eingebracht. Maschineneinsatz war auf etwa der Hälfte der Flächen möglich, aber es blieb noch genug für die „reine“ Handarbeit. Mit dabei war ich beim Herunterrechen des Grases. Anfangs war allein das Stehen auf der „Gestetten” (Steilfläche) ein Problem. „Nur nicht runterschauen“, dachte ich, und mit etwas Übung ging es besser. Der „Muli“ war im Dauereinsatz. Händisch wurde das Gras auf den Häcksler gegabelt - bei Temperaturen um 30 °C bin ich da ganz schön ins Schwitzen gekommen.
Schnell war die Woche um. Ich habe nette Leute kennen gelernt. Um einige interessante Erfahrungen reicher bin ich dann mit richtig gutem Südtiroler Speck wieder abgereist. Wenn es sich zeitlich ausgeht, werde ich wieder einmal in Südtirol als „Erntehelfer” aktiv sein.
Landwirt – Tipp
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bergbauernhilfe.it/