Dolomiten - Oktober 2017

„Zeit geschenkt und Zei geteilt“

Freiwillige Arbeitseinsätze: Erntedankfeier für die Helfer auf Südtirols Bergbauernhöfen – Gute Jahr auch ohne Rekord

SARNTHEIN (br). „Die freiwilligen Helfer bringen bei ihren Arbeitseinsätzen ihre Zeit und Fähigkeiten für jene ein, die Hilfe nötig haben“, sagte Pater Ulrich Maria Rauch bei der Erntedankfeier, zu der der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol (VFA) am Samstag ins Sarner Bürgerhaus geladen hatte. Die Feier war „ein Dank für die Ernte und ein Dank an alle, die Zeit schenkten und Zeit teilten“.

„Südtirol hat im Vergleich zu anderen Ländern im Alpenraum am wenigsten aufgelassene Höfe; dies ist ein Verdienst der Bauern, der Politik, aber auch von euch allen“, sagte VFA-Obmann Georg Mayr an die vielen freiwilligen Helfer gerichtet, die zur Erntedankfeier nach Sarnthein gekommen waren. Was es – neben Helfern – auf dem Bauernhof braucht, besang Rosa Oberhöller mit ihren Sängerinnen.

Das vergangene Jahr war kein Rekordjahr. Dennoch beeindrucken die Zahlen: 2026 Helfer leisteten 19.952 Arbeitsstunden. Sie halfen bei der Heuernte, im Stall und im Haus oder bei der Holzarbeit – für Kost und Logis. Frauen und Männer hielten sich die Waage. Mit 75,5 Prozent stellte Deutschland nach wie vor den größten Anteil. 11,7 Prozent der Helfer kamen aus Südtirol.

Die zahlenmäßig stärkste Altersgruppe stellten die Jahrgänge von 1960 bis 1970. Gut vertreten war auch die Jugend. Die älteste Helferin war Theresia Köhl mit 79 Jahren, der Jüngste Alessandro Darin. Er ist 16 Jahre alt. 312 Bauern suchten im abgelaufenen Jahr um Hilfe an.

„Manche der Helfer wissen gar nicht, wie wichtig ihr Einsatz und wie tröstend ihre helfende Hand ist“, sagte Koordinatorin Monika Thaler. Mit einer Bilderschau blendete sie zurück auf das abgelaufene Jahr, auf schwierige Arbeitseinsätze und auf bewegende Momente.

„Ihr scheut keine Kilometer und keine steile Wiese. Wenn ihr nicht Engel seid, wer dann?“, fragte sie. Anerkennung gelte auch den Bauern, die sich öffneten und Fremden das Vertrauen schenkten.

„Ihr habt den Bergbauern, aber auch unserem Land einen großen Dienst erwiesen“, sagte Landeshauptmann Arno Kompatscher zu den Helfern. Er dankte auch dem Verein und sicherte die Aufstockung des Beitrags zu. Eine solide finanzielle Basis sei Voraussetzung für die wertvolle Arbeit.

Lob für die Arbeit der Helfer und des Vereins kam auch von Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und Paulo Valente von der Caritas.

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„Ein Auf und Ab der Gefühle“

Verein: Monika Thaler seit 10 Jahren Koordinatorin

SARNTHEIN (br). „Der Verein kann noch so gut aufgestellt sein, ohne die vielen Freiwilligen wäre er nichts“, sagte Monika Thaler. Seit 10 Jahren ist sie Koordinatorin im Verein und bringt Bauern und Helfer zusammen. Im Rahmen der Erntedankfeier wurde Thaler geehrt.

„10 Jahre Arbeit im Verein sind 10 Jahre ein Auf und Ab an Gefühlen mit vielen ergreifenden Momenten“, betonte sie. Sie konnte helfen und habe viel Freude erlebt. Aber es gingen auch traurige Schicksale voraus. Beeindruckend findet Thaler die Dankbarkeit, die sie in den Bergbauernfamilien

erlebt, die aber auch im Gespräch mit den Helfern durchklingt.

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„Sorgen und Nöte beredet“

Hilfe: Wollte Beitrag für Berglandwirtschaft leisten

SARNTHEIN (br). Ein Gedicht hatte der freiwillige Helfer Eduard Hager (Bild) aus Friedrichshafen am Bodensee verfasst: „Schickt mit do hin, wo man meine Hilfe am dringendsten braucht. I zieh des durch, a wenn’s mi schlaucht.“ Hager kommt von der Landwirtschaft. Seine Eltern betrieben einen kleinen Hof. Aber vor 45 Jahren verließ die letzte Kuh den Stall. Gerade deshalb war es Hager wichtig, einen Beitrag für die Berglandwirtschaft zu leisten. Er meldete sich als Freiwilliger und kam auf dem

Seidner-Hof am Brenner zum Einsatz. Die Witwe brauchte die Hilfe. „Wir haben auch viel über Sorgen und Nöte gesprochen“, erzählte Hager.

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„GroßerWert für Berghof“

Dank: Seit 2006 immer wieder Helfer bei der Ernte

SARNTHEIN (br). Ebenfalls in Reimform dankte die Bäuerin Christine Weithaler (Bild): „Die Zeit, die die freiwilligen Helfer schenken, ist für uns nicht mehr wegzudenken.“ Seit 2006 erhält die Bergbauernfamilie vom Patsch-Hof in Innernördersberg in der Gemeinde Schlanders immer wieder Unterstützung – vor allem bei der Heuernte. „Diese Einsätze sind für uns eine große Hilfe, aber auch eine menschliche Bereicherung“, betonte Weithaler. Mit vielen schönen Erfahrungen seien sie verbunden. Die Helfer wüssten gar nicht, welch großen Wert die geleistete Arbeit für die Bergbauernfamilie und für den Berghof hat.

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3 FRAGEN AN…

Vereinsobmann Georg Mayr

„Dolomiten“ Herr Mayr, wie steht der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze heute da?

Georg Mayr: An sich sehr gut. Es melden sich nach wie vor sehr viele freiwillige Helfer, und das Büro funktioniert sehr gut. Sorgen bereitet uns die finanzielle Lage des Vereins.

„D“: Wie kommt es dazu?

Mayr: Unser Verein hat keine direkten Einnahmen und muss über öffentliche Beiträge und über Sponsoren das nötige Geld hereinbekommen.

„D“: Die Ankündigung des Landeshauptmanns dürfte Sie jetzt freuen...

Mayr: Ja. Nachdem in den vergangenen Jahren die Förderung kontinuierlich zurückgegangen ist, sind wir besonders dankbar für die Zusage, dass der Beitrag nun verdoppelt wird. Dies gibt uns Aufwind und wieder Sicherheit in der Planung.

br/@

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Dienst mit Herz

leisten die Mitarbeiter im VFA-Büro. Dafür dankte Obmann Georg Mayr. Dem Dank schlossen sich die Vertreter der Trägerorganisationen an: Bauernbund, Lebenshilfe, Jugendring und Caritas.

Foto: Von links: Matthias Spögler, Alexandra Telch, Kevin Hofer, Georg Mayr,Monika Thaler und Manuel Kröss. ©

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„Die Bergbauern sichern mit ihrer Arbeit nicht nur ihre eigene Existenz, sondern auch unsere. Ihre Arbeit geht alle an.“ Caritas-Direktor Paolo Valente

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