Dolomiten - Oktober 2018

Auer. Mehrere Schüler der Oberschule für Landwirtschaft in Auer haben sich im heurigen Sommer wieder als Freiwillige auf heimischen Bergbauernhöfen nützlich gemacht. Nach Projektabschluss bleiben Erkenntnisse fürs Leben und Wertschätzung für die Bergbauern.
Die Schulbank gegen Stallarbeit und steile Hänge eingetauscht haben heuer zum wiederholten Male Dritt- und Viertklässler der Oberschule für Landwirtschaft in Auer. Es handelt sich dabei um ein außergewöhnliches Projekt, das vor rund 15 Jahren von Gerold Koppelstätter initiiert wurde und mittlerweile vom Oberschullehrer Paul Oberrauch betreut wird.
Dabei bekommen Schüler der 3. und 4. Klasse die Möglichkeit, in der vorletzten Schulwoche Erfahrungen auf heimischen Bergbauernhöfen zu sammeln, in eine andere Realität einzutauchen, anzupacken und so aus erster Hand prägenden Einsichten in die Welt der Berglandwirtschaft zu gewinnen. Eine Idee, die nicht umsonst großen Zuspruch erfahren hat, denn schließlich stammen viele der Schüler selbst aus einem bäuerlichen Milieu und können ermessen, welche Arbeiten am Hof anfallen und wie sie am besten zu bewältigen sind. Dennoch ist gewissermaßen jeder Hof eine Welt für sich.
Dies stellte beispielsweise auch Petra Obkircher aus Karneid fest, die zwar mit der Aufzucht von Milchkühen aufgewachsen ist, aber im Passeiertal auf einem Hof mit Milchziegen landete. Sie erinnert sich: „Das war am Anfang schon ungewohnt, denn wir standen um 6 Uhr auf und hatten an die 90 Milchziegen zu füttern und zu melken. Danach mussten die Ziegen auf die Alm getrieben werden, ehe wir sie um 17 Uhr wieder zum Melken zusammentrieben.“ Besagter Hof im Passeiertal ist nur über eine kleine Seilbahn erreichbar, der Bauer bewirtschaftet dort steile Hanglagen. Einige Schüler hatten mehr im Stall zu tun, andere wurden im Haushalt gebraucht, am Bergbauernhof geht die Arbeit bekanntlich nie aus: So hieß es für die Jugendlichen Hühnerställe ausmisten, Zäune aufstellen, Gemüsegärten pflegen, die Sense schwingen, Stallfenster putzen, Essen für die gesamte Familie zubereiten oder sogar die Wiesen vor der Mahd nach versteckten Rehkitzen absuchen.
Während des Freiwilligeneinsatzes kamen sich Gastgeber und jugendliche Helfer schnell näher, man lernte sich gegenseitig respektieren und schätzen. Die schwierigen Ausgangsbedingungen schrecken die Jugendlichen nicht ab, im Gegenteil – sie bringen große Hilfsbereitschaft und Solidarität mit.
So entscheiden sich jedes Jahr zwischen 15 bis 30 Oberschüler aufs Neue für einen Freiwilligeneinsatz und kehren mit unvergesslichen Eindrücken vom Alltag auf Bergbauernhöfen zurück zur Schulbank.

 

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15 bis 30 Oberschüler

entscheiden sich jedes Jahr für einen freiwilligen Einsatz auf einem Südtiroler Bergbauernhof. Das Angebot gilt für Schüler der 3. und 4. Klassen. Die Initiativer wurde vor 15 Jahre von Gerold Koppelstätter ins Leben gerufen. Mittlerweile betreut es der Oberschullehrer Paul Oberrauch.

„Die Erfahrung beim freiwilligen Arbeitseinsatz auf den Bauernhöfen sind für die Schüler in vielerlei Hinsicht wertvoll“

Paul Oberrauch 

 

SARNTHEIN (br). „Gott schickt uns Sonnenschein, lässt wachsen Korn und Wein“, sang der Bäuerinnenchor von Zwölfmalgreien und war damit schon mitten im Thema: Ernte, für die es helfende Hände braucht. Erntedank feierte der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol (VFA) am Samstag im Bürgerhaus von Sarnthein.

„Nicht immer darf es um die Frage gehen: Was habe ich davon?“, sagte Pater Daniel Höllwerth beim Gottesdienst zu Beginn. Freiwillige Helfer stellten ihre Zeit und Talente bereit und hielten so den Sinn für das Unbezahlbare wach. Dies mache auch die Helfer reicher. Pater Daniel ist selbst einer von ihnen. „Dank dieser Symbiose wird unser Land so schön erhalten, wie wir es haben“, sagte VFA-Obmann Georg Mayr. Die freiwilligen Helfer leisteten Großes. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Zahlen leicht gestiegen. Auf 315 Berghöfen standen 2014 Freiwillige 20.027 Tage im Einsatz.

„Danke, dass ihr euch einlasst auf dieses Abenteuer freiwilliger Arbeitseinsatz“, sagte Koordinatorin Monika Thaler. Als Koordinatorin sorgt sie dafür, dass die richtigen Helfer auf den richtigen Hof kommen. Sie dankte auch den Unterstützern des VFA. Das Land hat seinen Beitrag verdoppelt und so die finanzielle Not, in der der Verein steckt, gelindert. „Bei der Unterstützung wird es Kontinuität geben“, sagte Soziallandesrätin Martha Stocker. Sie sprach damit auch für ihren Kollegen, den Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler.

„Ihr helft in schwierigen Lagen und schwierigen Situationen“, betonte Viktor Peintner von Südtiroler Bauernbund. Die freiwilligen Helfer hätten großen Anteil daran, dass Landschaft und Höfe erhalten blieben. „Dies ist ein Beitrag im Sinne der Umwelt, der Gerechtigkeit für nächste Generationen, für Europa“, unterstrich Paolo Valente von der Caritas. Das große Wir dürfe nicht zerfallen. Dass es der Jugend immer wichtig sei, ihren Beitrag zu leisten, hob Michael Kaun vom Südtiroler Jugendringhervor. Der Jugendring ist, wie Bauernbund, Caritas und Lebenshilfe, Träger des Vereins. Die Freiwilligen helfen auch bei der Betreuung von Kindern, alten Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung. Den Dank der Südtiroler Lebenshilfe überbrachte Monika Tscholl. Was es für die Helfer heißt, auf den Höfen zu sein, früh aufzustehen und anzupacken, hat Tobias Enzl aus Bayern in ein Lied gepackt, das bei der Feier wiedergegeben wurde.

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3 Fragen an den freiwilligen Helfer Thomas Baier

„Dolomiten“: Herr Baier, Sie stammen aus Wolfsburg in Niedersachsen und hatten die längste Anreise zur Erntedankfeier. Wie kam es, dass Sie als freiwilliger Helfer auf einem Südtiroler Berghof landeten?

Thomas Baier: Ich war schon öfters hier in Südtirol auf Urlaub, und mich beeindruckte die schwere Arbeit auf den Berghöfen. Als ich auf den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze aufmerksam wurde, meldete ich mich für einen Arbeitseinsatz. Schon seit etlichen Jahren helfe ich auf dem Gallhof in Völlan mit, und es macht Spaß. Heuer war ich schon 2 Mal hier – jeweils für 2 Wochen.

„D“: Sind Sie mit der bäuerlichen Arbeit vertraut?

Baier: Meine Großeltern hatten einen Bauernhof, und als Kind war ich öfters dort. So habe ich schon eine Ahnung. Auf dem Gallhof helfe ich vor allem bei der Heuernte und im Stall mit. Als KFZ-Meister kann ich auch die Wartungsarbeiten beim Traktor und bei anderen Maschinen übernehmen. Das ist für den Bauern sehr praktisch, weil ja immer etwas anfällt, was repariert werden muss.

„D“: Mit welchen Erwartungen sind Sie gekommen, mit welchen Erfahrungen sind Sie heimgefahren?

Baier: Ich kam in der Erwartung, dass ich meine Hilfe gut einbringen kann und dass die Bauernfamilie etwas hat davon. Gegangen bin ich beschenkt und zufrieden. Auf dem Hof leben der Jungbauer mit seiner Frau und 2 kleinen Kindern. Es ist eine intensive Bekanntschaft daraus geworden, und mir wird viel Dankbarkeit entgegengebracht. br/@

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Dank: Hilfe wird gebraucht

SARNTHEIN (br). Margit Kaserer ist Bäuerin auf dem 1450Meter hoch gelegenen Obkircherhof in Martell und bewirtschaftet ihn mit ihren 3 Kindern und den Eltern. Vor 3 Jahren erkrankte ihr Mann, im vergangenen Dezember starb er. „In den letzten Jahren habe ich viel Unterstützung von den freiwilligen Helfern erfahren“, sagte Kaserer bei Erntedankfeier in Sarnthein. Die Hilfe sei eine enorme Erleichterung bei der Arbeit und menschlich eine große Bereicherung für die ganze Familie. Die Erntehelfer kamen aus dem Unterland und dem Vinschgau und halfen bei der Heuernte und bei Instandhaltungsarbeiten. „Ich bin sehr froh, dass es diese Hilfe in Südtirol gibt, und ich danke euch von Herzen für die große Hilfe, die mit keinem Geld auf der Welt aufzuwiegen ist“, betonte Kaserer.

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Steigerung im Vergleich zu 2017

SARNTHEIN (br). 2018 ist für den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze kein Rekordjahr; dennoch sind die Zahlen höchst erfreulich:
  • Die Zahl der Helfer ist von 1998 im Vorjahr auf 2014 angestiegen.
  • 74,1 Prozent der Helfer kamen aus Deutschland, 15,2 Prozent aus Südtirol, 5,9 Prozent aus dem italienischen Raum
  • Unter den Helfern waren 49,5 Prozent Frauen und 50,5 Prozent Männer
  • Mit 24,4 Prozent stellten die Jahrgänge von 1950 bis 1959 den größten Anteil.
  •  Mit 27,7 Prozent der Südtiroler Helfer kamen am meisten aus dem Bezirk Bozen, gefolgt vom Pustertal mit 23 Prozent und Eisacktal mit 21 Prozent.
  • Die Zahl der Gesuchsteller ist von 308 im Vorjahr auf 315 angestiegen.
  • Mit 31,7 Prozent kamen am meisten Anträge aus dem Vinschgau, gefolgt vom Burggrafenamt mit 26,9 Prozent und dem Pustertal mit 22,4 Prozent.
  • Die Einsatztage sind von 19.202 im Jahr 2017 auf 20.027 gestiegen.

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Im Jahr 1996  wurde der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol gegründet. Trägerorganisationen sind der Bauernbund, die Caritas, die Lebenshilfe und der Jugendring. Obmann Georg Mayr dankte den fleißigen Mitarbeitern im Büro Martina Weiss, Manuel Kröss und Koordinatorin Monika Thaler.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand für Gottes Lohn arbeitet. Danke euch allen.“

GeorgMayr, Verein Freiwillige Arbeitseinsätze

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