Kriminalbeamter bei der Heuarbeit
BAUERNBUND: Zum sechsten Mal leistet Dieter Hohenschopp freiwilligen Arbeitseinsatz am 1870 Meter hoch gelegenen Koflerhof.
Rein in Taufers. Was verschlägt einen 53-jährigen pensionierten Kriminalbeamten als freiwillige Arbeitskraft nach Südtirol? „Es ist praktizierte Nächstenliebe vor Ort. Statt Geld spendet man seine Arbeitskraft und kann einfach durch körperliche Betätigung helfen“, lautet die einfache Antwort von Dieter Hohenschopp.
Viele Jahre kam der aus Lippe stammende pensionierte Kriminalbeamte mit Frau und Familie zum Sommer- und Winterurlaub nach Südtirol, bis er vor etwa acht Jahren auf den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) des Südtiroler Bauernbundes gestoßen ist. Bald hatte er sich dafür entschieden, Bergbauernfamilien zu helfen, deren Höfe in extremen Lagen liegen, aber trotzdem bewirtschaftet werden müssen. 2005 kam er das erste Mal, um nicht wie üblich die Bergwelt zu genießen, sondern mit vollem körperlichem Einsatz zu helfen. Sein Auftrag führte ihn in jenem Jahr wie all die Jahre seither von seiner Heimat etwa 1000 Kilometer Richtung Süden nach Rein in Taufers zum Koflerhof auf 1870 Metern Höhe. Begleitet wird der ehemalige Kriminalbeamte von seiner Frau Marion, die auch fleißig mithilft. Den Koflerhof bewirtschaften die Bäuerin Anna Seeber Eppacher und das Ehepaar Waltraud und Richard Oberhauser. Der Arbeitseinsatz der Freiwilligen ist eine große Hilfe für die Familie. Hohenschopp hilft von frühmorgens bis abends auf dem Feld, im Wald und wo seine Hilfe eben gebraucht wird. So hat er u. a. auch schon beim Bau eines Kuhstalls geholfen. Momentan ist er emsig beim Holzhacken. „Der Schnee macht das Einbringen des Grummet unmöglich. Dass es jetzt schon Winter wird, hätte ich mir nicht gedacht“, sagt der freiwillige Helfer lachend. Mit seinem Arbeitseinsatz ist die Familie am Koflerhof zufrieden. Zwischen ihr und Hohenschopp haben sich auch freundschaftliche Kontakte gebildet. Schon zweimal besuchte Bauernfamilie den freiwilligen Gehilfen in seiner Heimat. „Ja, ich war Kriminalbeamter, gut und gerne, aber irgendwann dachte ich mir, das ist nicht alles, ich habe genug vom Verbrechen und möchte noch etwas Sinnvolles tun“, schildert Hohenschopp seinen Entschluss mit einem Augenzwinkern. So freut es ihn besonders, dass er neben seiner Arbeitskraft auch finanzielle Mittel überreichen kann. „Es ist zwar nicht viel, aber immerhin ein Anfang.“ „Guit gessn und nuar nö mitbikem, würde man im Ahrntal sagen“, sagt Landesrat Hans Berger erfreut über das Verständnis und die Hilfe für Menschen, die am Berg unter extremen Bedingungen wohnen und wirtschaften. Neben Dieter und Marion Hohenschopp gibt es noch zahlreiche weitere Freiwillige, die ihre Arbeitskraft Bergbauern eine Woche lang bis zu drei Monaten zur Verfügung stellen, und nicht wenige helfen auch öfter, sagt Monika Thaler, die Koordinatorin des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze.
Ein Blick in den Verein
„Im Jahr 2010 haben bis dato 285 Bauern um Hilfe angesucht, davon stammen 20 Prozent aus dem Raum Pustertal. Im Raum Pustertal fanden bisher 22 Prozent der geleisteten freiwilligen Arbeitseinsätze statt“, schildert Koordinatorin Thaler. Den Bergbauern in Südtirol kann auf diese Weise ordentlich unter die Arme gegriffen werden. Die Idee der Arbeitseinsätze von freiwilligen Helfern auf Bergbauernhöfen entstand aus der Erkenntnis, dass finanzielle Unterstützung allein oft nicht ausreicht, um bestimmten Notsituationen zu begegnen.
Einsätze steigen
1996 wurde der Verein gegründet und seit damals ist die Anzahl der geleisteten Einsätze, freiwilligen Helfer und Gesuche der Bauernhöfe stetig gestiegen. Die Hilfe bleibt aber keine einseitige. Die Bauernfamilie bietet dem freiwilligen Helfer Unterkunft und Verpflegung, eine Unfall- und Haftpflichtversicherung wird vom Verein abgeschlossen. Zunehmend mehr Menschen aus der Stadt finden in einem Einsatz am Berg eine Möglichkeit, dem Alltagsstress zu entfliehen und Neues, bisher Ungekanntes für sich zu entdecken. „Den Freiwilligen gefällt es, wenn sie einmal was anderes tun, weg kommen von ihrem Alltagsstress und mit körperlicher Knochenarbeit helfen können. Besonders freut sie, wenn der Bauer aus seinem Leben erzählt oder über Sitten und Bräuche berichtet.“ - Georg Mayr, Obmann des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze. Getragen wird der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze von den vier Gründerorganisationen: dem Südtiroler Bauernbund, der Diözesancaritas, dem Landesverband Lebenshilfe und dem Südtiroler Jugendring.
SPENDENÜBERGABE
Geld für den Verein. Nicht nur, dass Dieter Hohenschopp nun bereits zum sechsten Mal seine Arbeitskraft bedürftigen Bergbauern zur Verfügung stellt, auch im heimischen Lippe vergisst er die Bergbauern nicht. Mit seiner Frau Marion hat er ein Fest für seinen Schützenverein zu Gunsten der Bergbauernhilfe Südtirol organisiert. So konnte Hohenschopp dem Bauernbund 500 Euro überreichen. Die Koordinatorin des VFA, Monika Thaler, Obmann Georg Mayr und Landesrat Hans Berger zeigten sich erfreut über so viel freiwilligen Einsatz.