Erlebnisbericht aus Schlanders August 2011

Mein Erfahrungsbericht

17.08.-26.08.2011 Schlanders-
Sonnenberg Waldentalhof

Ich, Henning Kornehl, praktizierender Landwirt, 53 Jahre aus Drüber, Niedersachsen, bewirtschafte im Nebenerwerb einen Betrieb mit Ackerbau und Mutterkuhhaltung, 45ha. Aufmerksam geworden
durch einen Zeitschriftenartikel im Frühjahr diesen Jahres, habe ich mich bei der Bergbauernhilfe gemeldet und bin für 10 Tage ins Vinschgau auf dem Waldentalhof gewesen. Für mich als Landwirt aus dem Flachland kommend, einegroße Herausforderung, welche ich gerne annahm. Nach ausreichend Infos und genügend körperlicher Fitness, begann für mich das Abenteuer Berg. Mir war
schon klar, du kommst in eine Welt, wo der liebe Gott alles schief gestellt hat. Ich als Landwirt, mit Handarbeit groß geworden (Futterrübenernte, Heu-und Strohernte, Getreideernte, Stallarbeit), ist einiges gewohnt, aber halt anders. Den Betrieb ausgesucht, begann das Unternehmen am 17.08.11 in Richtung Waldentalhof von Familie Niedermair, nach dem Motto rauf auf den Berg und mit angepackt. Eine Erfahrung die ich nie mehr in meinem Leben missen möchte. Nach herzlicher Aufnahme und ersten Kontakten begann die Arbeit. Es stand die Grummeternte an, frei nach dem Motto, "Nicht lange erzählen, lasst uns mal den Rechen quälen!", ging es gleich los. Der Betrieb mit seinen 12 ha und hohem Viehbesatz -20 Milchkühe + Nachzucht, 60 Schafe, 10 Ziegen, 2 Schweine und Hühner- ist sehr arbeitsintensiv. Eine Erfahrung die ich aus meiner Jugend kannte, aber sehr viel Spaß und Freude bereitet hat. Aufgrund unserer Mechanisierung im Leinetal (alles plattes Land) war es sehr ungewohnt und kein Zuckerschlecken, bewundere aber die Berufskollegen in Südtirol, mit welcher Ruhe und Intensität die ganze Sache angegangen wird. Der größte Brocken der Arbeit liegt in der Hand von Bäuerin Maria, denn was diese Frau leistet ist einfach unglaublich. Hier ein paar Beispiele: Kinder, Schule, Kindergarten, Haushalt, Stall- und Außenarbeiten! Das hat mich sehr beeindruckt. Aber die ganze Familie steckt das mit Ruhe und Gelassenheit weg - Gewohnheit sicherlich. Für mich als Praktiker ohne fremde Hilfe gar nicht möglich, denn Arbeit ist das eine, das Betriebsmanagement und die Organisation das andere. Allein schon die Arbeiten im Heustadl und am Heugebläse sind nicht im Schongang zu erledigen. Bei der Hangneigung auf den Wiesen geht halt nichts außer Handarbeit. Um dann in der Milchviehhaltung einen gewissen Erfolg zu haben, ist die Stallarbeit sehr intensiv, allerdings auf dem Waldentalhof vorbildlich. Sauberkeit und Ordnung im Stall sind oberstes Gebot, da fühlen sich die Kühe richtig wohl, denn ohne Fleiß, kein Preis. Zu den Höhepunkten des Einsatzes zählte sicherlich das Zäunen im Wald, bei den Kalbinnen und Kälbern. Auch hierbei kam ich aus dem Staunen nicht heraus, wie die ganze Sache ablief. Unter Leitung von Bauer Elmar wurde kräftig angepackt (Der Mann ist ein Phänomen). Alles lief perfekt ab, aber man stößt dort im Wald voll an seine Grenzen. Trotzdem eine tolle Erfahrung. Die Tage waren von Montag bis Samstag sehr ausgefüllt, sodass der freie Sonntag gerade recht kam. Trotz der vielen Handarbeit waren die tollen Gespräche bei den Mahlzeiten eine super Sache. Es wurden Erfahrungen ausgetauscht, Verbesserungen erläutert und vieles mehr. Beeindruckt hat mich doch am meisten die Zufriedenheit und Tatkraft der ganzen Familie, die Lebenseinstellung und der hohe Grad der Selbstversorgung. Für mich ein Erlebnis, das kann man kaum beschreiben; auf höchster Ebene von Menschlichkeit, mit höchstem Arbeitsaufwand und das, in einer der schönsten Landschaften Europas. Für mich als Landwirt aus dem niedersächsischem Flachland eine ewig bleibende Erinnerung, die ich sicher nicht das letzte Mal erlebt habe. Wer auf dieser Ebene auch mal eine tolle Erfahrung machen möchte, kann ich einen Aufenthalt uneingeschränkt empfehlen. Es wird sicher eine erfüllte Zeit mit tollen Menschen.
Danken möchte ich zum Schluss noch, Frau Thaler und Ihrem Team von der Bergbauernhilfe und den "Königen vom Sonnenberg" Familie Niedermair, das werde ich nie vergessen.

Der Bauer aus Niedersachsen.

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