Erlebnisbericht aus dem Eisacktal Juli-August 2010
Beim Suchen nach einer Almhütte im Internet kam ich ganz durch Zufall auf die Seite der Bergbauernhilfe in Südtirol. Nach mehreren E-mails und einigen Telefonaten mit den sehr netten Damen der Organisation bekam ich Anfang Juli einen Hofvorschlag zugesandt. Schon von den Bildern war ich begeistert und nach einem Telefonat mit Franz Unterthiner, dem Bauern vom Huberhof, sagte ich meinen Einsatz im August zu. Als ich am 31. Juli nach etwa 8 Std. Fahrt den Hof erreichte, war ich schon sehr gespannt, was mich wohl erwarten würde! Aber alle Bedenken waren schon wenige Minuten nach der Begrüßung wie weggeblasen. Heutzutage wird man wohl eher selten mit so einer Wärme und echten Herzlichkeit empfangen. Ich fühlte mich gleich wie zu Hause. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem ich auch zwei der sechs Kinder kennenlernte, zeigte mir Franz (wir waren natürlich alle gleich per Du!) die Baustelle für den neuen Stall und anschließend war Holzhacken und wegräumen angesagt. Gegen 18 Uhr ging es dann per Jeep auf die etwa 1000 Meter höher gelegene Alm. Der älteste Sohn Isidor, dessen Freundin Elisabeth, Franz und ich fuhren von nun an jeden Abend auf die Alm, um die fünfzehn Kühe und ein zwei Tage altes Kälbchen, das ich gleich mal Sepp taufte, zu versorgen. Isidor und Elisabeth, die leider nur vier Tage mit uns auf der Alm verbringen konnten, führten mich mit großer Geduld in die hohe Kunst des Melkens ein. Für mich war es bewundernswert mit welcher Gelassenheit die ganze Arbeit hier erledigt wird!
Zu meinem Erstaunen bildeten wir bereits am zweiten Tag ein gutes Team. Ohne viele Worte lief die Arbeit reibungslos, wenn nicht gerade eine Kuh wieder auf Abwegen war und mit großem Körpereinsatz zurück zum Stall getrieben werden musste. Am nächsten Tag wurde Heu gemacht. Auch das machte riesigen Spaß, da viele aus der Familie mithalfen. So konnte das Heu an einem Tag sicher eingebracht werden. Nachdem morgens die Kühe und natürlich auch das kleine Kälbchen Sepp versorgt waren, fuhren wir alle gemeinsam zum Hof. Die Milch wurde vorher noch in der Käserei abgegeben. Auf dem Hof hatte Liesel, die Frau von Franz und gute Seele des Hauses, schon das Frühstück für uns gerichtet. Anschließend fuhr Isidor auf seine Arbeit und ich arbeitete mit
Franz auf der Baustelle oder wir schafften halbe Wälder beiseite! Ich genoss die körperliche Arbeit, zumal wir immer was zu lachen hatten. Liesel kümmerte sich unterdessen um das Haus und betreute eine liebe 90 jährige Tante „es moidel“. Ich hatte die alte Dame gleich ins Herz geschlossen und wir lachten viel miteinander (sofern ich mal etwas verstehen konnte oder auch falsch verstand!). Jeder Tag war ausgefüllt mit Arbeit, aber trotz allem ging es immer lustig zu und nicht einer hatte schlechte Laune. Der Abschied nach elf Tagen fiel mir sehr schwer und es kullerten auch ein paar Tränen. Aber sollte die Möglichkeit bestehen, werde ich im nächsten Jahr wiederkommen. Der neue Stall ist inzwischen fertig und die Kühe sind vor ein paar Tagen zurück ins Tal gezogen. Ich wäre gern dabei gewesen!!! Doch im Oktober schon werden mein Mann und ich die Familie
Unterthiner besuchen.
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