Erlebnisbericht aus dem Gadertal - Juni 2016

Einsatz  auf einem Hof im Gadertal

BON DI! ([BON DEI] = Ladinisch für Guten Tag!)

Am 30.06. hat mich die Bäuerin mit Tränen in den Augen schweren Herzens nach Hause fahren lasseEinsdkdkdn (MÜSSEN)! Auch für mich war die Abreise von dieser liebenswerten Familie die sechs Tage vor meiner Ankunft vom Schicksal in schlimmster Weise durchgeschüttelt wurde sehr schwer. Die Nachricht vom Ableben des Bauern war auch für mich ein Schock, auf meinen bisherigen Einsätzen habe ich mich immer sehr gut mit ihm verstanden, und die Zusammenarbeit mit ihm funktionierte ausgezeichnet. Der Hof, die Familie und ich, wir passten einfach zusammen und ich hatte, und habe immer noch das Gefühl einen sehr guten Freund verloren zu haben.

Leider war das Heuwetter in den ersten eineinhalb Wochen eine Katastrophe, es hat jeden Tag mindestens einmal geregnet, und es war unmöglich mit Maschinen in die Wiesen zu fahren. Aber es gab genug Arbeiten zu erledigen die bei Heuwetter zurückbleiben: Aufräumen und Müll zur Deponie bringen, Maschinen waschen, abschmieren und für die Erntearbeit vorbereiten, Weiden zäunen und Kühe trockenstellen, dem Tierarzt beim Besamen und Entwurmen assistieren, und vieles mehr.

Ein Großprojekt war die Errichtung eines neuen "Fuchs- und Raubvogelsicheren" Hühnergeheges.

Natürlich ging es auch jeden Tag dreimal in den Stall zum Füttern, Melken und Ausmisten, und auch die Milchtankreinigung gehörte wie im Vorjahr zu meinen Aufgaben (die Milchwerte waren immer sehr gut)!

Nachdem es der Bäuerin sehr schlecht ging, habe ich auch die Versorgung der 60 Hühner und des Hahnes, am Morgen aus dem Stall lassen, füttern, Wasser wechseln, am Nachmittag Eier abnehmen, und abends in den Stall sperren, übernommen.

Zusätzlich habe ich sehr viel mit der Sense gemäht, eine Arbeit die früher meistens der Bauer erledigt hat. In den ersten eineinhalb Wochen sehr viel Frischfutter, um die Kälber und Kalbinnen langsam auf Weide und Alm vorzubereiten. Als sich dann am Dienstag/ Mittwoch in der zweiten Woche das Wetter gebessert hat, habe ich in den Steilflächen der Wiesen sehr viel mit der Sense gemäht. In einer flacheren Wiese durfte ich dann auch den Motormäher probieren, damit der Bauerssohn bereits mit dem Ballenpressen anfangen kann, eine Arbeit die für Außenstehende einfach aussieht (der Motormäher fährt alleine und man geht hinterher), aber das ist eine sehr anstrengend Arbeit bei der man sich immer konzentrieren muss.

Am Samstag der zweiten Woche war "Auftriebstag" auf die Alm im Naturpark Fanes. Die letzten zwei Jahre durfte ich als Beifahrer mitfahren, heuer aufgrund der Situation, und der Tatsache, dass im Umkreis der Familie niemand geeigneter verfügbar war, wurde ich gebeten mit dem Ladewagen zu fahren. Der Bauerssohn mit dem Traktor und Pferdeanhänger, und ich mit dem Ladewagen fuhren jeder zweimal insgesamt 18 Stück Vieh, die anspruchsvolle Strecke von Wengen über Zwischenwasser und St. Vigil in Enneberg durch das wunderschöne Rautal nach Pederü und weiter über die steile Schotterstrasse auf die Alm im Bereich Fanes- Hütte und Lavarella- Hütte. Bei der zweiten Fahrt überraschte mich im steilsten Streckenabschnitt ein Unwetter und bei Blitz und Donner begleitet von Starkregen flogen mir in der Fahrerkabine 1,5 Zentimeter große Hagelkörner um die Ohren.

Das gesamte Umfeld der Familie ist sehr nett, eine Schwägerin der Bäuerin macht für mich Tiramisu, zu einem großen Familienessen der Familie am Sonntag wurde ich eingeladen ("du musst unbedingt mitkommen, du gehörst zu uns" lautete der Befehl).

Jolan ([DSCHOULAN] = Ladinisch für DANKE), für die wertvolle Vermittlungstätigkeit die das gesamte Team im VFA leistet. Ich durfte es selber miterleben, wenn die Hilfe einer Familie wieder etwas Hoffnung und Zuversicht gibt, momentan weiß die Familie zwar nicht wirklich wie es weitergehen soll, soll der Sohn seinen Beruf aufgeben und komplett am Hof bleiben? Oder seine Arbeit behalten und den Hof aufgeben? Das kommt auch darauf an wie sich der Milchpreis entwickelt, für den Herbst war Baubeginn für einen neuen Stall geplant, aber momentan wissen sie nicht was sie tun sollen... Ich hoffe, dass die Familie noch ein paar gute Helfer bekommt und ich werde nächste Jahr hoffentlich wieder Zeit für einen Arbeitseinsatz haben!
VideoErleben Sie jetzt das Video vom Arbeitseinsatz.
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