2 Wochen Erntehilfe im Pfitschertal
Das Wetter: tropische Temperaturen – Dauerregen – Schneefall
„Es läuft ja meist anders als man plant oder denkt! So auch diesmal. Vom 23. bis 25. Juli wollten wir eigentlich ins Südtiroler Unterland, um das Weißhorn, 2.317 m, und das Schwarzhorn, 2.439 m, zu besteigen. Diese zwei Inselberge liegen westlich vom Lavazzejoch, 1.830 m, bzw. von Deutschnofen. Auch das Quartier auf der Gurndinalm am Jochgrimm war schon bestellt!
Aber – am 20. Juli rief Josef an: Ob wir nicht jetzt schon ins Pfitschertal kommen könnten! Das Wetter war natürlich das Beste, was man sich für die Heuernte denken konnte – und Weiß- und Schwarzhorn laufen ja nicht weg! So wurde das Quartier auf der Gurndinalm storniert, alles was fürs Pfitschertal notwendig war gepackt, ins Auto verfrachtet und am Montag, 22. Juli, ging’s los zur Erntehilfe.
Ein kurzer Rückblick:
Unsere Hilfe im Juli wurde durch eine Schlechtwetterfront mit Dauerregen und Schneefall unterbrocken. Etwa ein Drittel der Heuernte blieb bei unserer Abreise liegen; der Rest konnte bis 15. August kleinweise eingebracht werden! Unglücklicherweise kugelte Arnold, neben Heinrich die Stütze von Josef schlechthin, etwa 50 m den steilen Hang hinunter und brach sich dabei den Daumen der rechten Hand! Und somit war er für die nächsten Wochen und für die Ernte des 2. Schnittes, des Grummet, ausgefallen!
Der dritte Schnitt hat nur regional ein eigenes Wort, etwa in Nordtirol Pofel; im Ahrntal, in Südtirol, Böüfel, sonst werden die weitern Schnitte nur durchgezählt.
Wie gesagt, das Wetter war schön, auch die Aussicht für die nächsten Tage. Nach dem Frühstück fuhren wir los und waren gegen Mittag am Huiserhof angelangt.
Gemäht war im Pfitschertal kaum eine Wiese oder ein Hang. Alles war schön und frisch grün! Auch Josef mähte erst seine zweite Wiese am Talboden!
Den ersten Nachmittag verbrachten wir am Heuboden. Das erst vor 14 Tagen eingebrachte Heu war damals auf den freien Flächen, auf den abgestellten Maschinen und Geräten und auch Bretterstapeln zum Trocknen verteilt worden. Diese Heu räumten wir ab und stapelten alles auf den bereits eingelagerten Heuvorrat. Tags darauf wieder schönes Wetter. Das von Josef gemähte Gras konnte gut trocknen. Wir beide machten uns auf den Weg in den Wald, um das bereits geschnittene Holz auf den Hof zu bringen.
Der Pfitscherbach, an dem uns der Weg zum Wald entlang führt, ist hier reguliert. Am Ufer fanden wir noch einige Blütenstände des Deutschen Enzians. Der Wald liegt auf der linken Seite vom Pfitscherbach unter den felsigen Abbrüchen der Pfunderer Berge, und wir wussten nur, dass dort im Wald irgendwo das Holz sei! Aber wir fanden schließlich das geschnittene Holz und brachten es mit Schubkarren nach Hause. Sieben Mal waren wir unterwegs, bevor sich all die Holzklötze im Holzschupfen befanden! Dann zerschnitten und zerhackten wir noch ofengereicht all die Äste und dünnen Bäume, die bereits im Schuppen lagen.
Das gemähte Gras war soweit getrocknet. Wir konnten es wenden, zu Reihen zusammen rechen, das alles mit den am Traktor angeschlossenen Geräten, und es dann auf den Heuboden bringen. Das Grummet haben wir dann auf der anderen Seite des Heubodens, vom Heu getrennt, aufgehäuft. Dann war noch Grünfutter für die drei Milchkühe mit den Schubkarren oder mit den Tragkörben zu holen. So ging es dann die nächsten Tage dahin: Grummet wenden, zusammenrechen, in den Heuboden bringen, Grünfutter holen, usw.
Das Wetter verschlechterte sich: wieder einmal kommt eine feuchte Luftströmung aus dem Südwestern auf uns zu. Was bedeutet, dass sich am südlichen Alpenhauptkamm die Wolken stauen und ausregnen, während nördlich der Alpen der Föhn die Temperaturen auf über 30 Grad Celsius hinauf treibt! Aber bevor das Wetter kippte, kam noch Heinrich! Er schärfte die Klingen des Balkenmähers, montierte die „Steigeisen“, also die Eisenreifen an die Räder, damit der Mäher an den steilen Wiesen nicht abrutscht und mähte alle Wiesenhänge bis hinauf zum Hangweg innerhalb kürzester Zeit. Dann lag das Gemähte wieder zwei, drei Tage. Danach wendeten wir diese drei Hänge an einem Tag. Das war eine Arbeit bis 19 Uhr und wir konnten anschließend kaum mehr die Arme heben. Und dann, am nächsten Tag, brach die Schlechtwetterfront mit voller Wucht über uns herein! Es regnete derart, dass man den gegenüberliegenden Berghang kaum sehen konnte! Und auf der Straße erzeugten die Regentropfen regelrechte Fontänen. Aber auch die Temperaturen sackten ab. Fast 20 Grad weniger als am Vortag! Und am nächsten Morgen präsentierten sich die umliegenden Berge im strahlenden Weiß! Bis auf 1.900 m herab fiel der Schnee, der dann auch, trotz spürbaren Temperaturanstiegs, einige Tage liegen blieb. Am Morgen nach dem Wettersturz konnten wir sogar den ersten Frost im Tal bewundern! Interessanterweise waren nur die Wiesen bereift, auf denen Gemähtes lag! Und natürlich waren auf die im Freien stehenden Autos mit Reif bedeckt! So schön der Schnee und der Reif fürs Auge auch war, so schlecht war er natürlich für die Heuernte. Drei Tage lag das gewendete Grummet, bis es trocken genug für das Einbringen auf den Heuboden war! Es gab zwar keinen Niederschlag, aber der Himmel blieb bedeckt und so gab es keine direkte Sonneneinstrahlung, die das Grummet hätte trocknen können.
Das waren immerhin neun „Heuschwänze“, das ist eine Konstruktion am Heck des Traktors, mit der das Heu bzw. Grummet zusammengeschoben und zusammengefasst werden kann. Da kommen schnell 350 bis 400 kg zusammen!
Der Wettersturz war zwar vorüber, aber die allgemeine Wetterlage war unbeständig. Immer mehr oder weniger bewölkt, kaum kann die Sonne zwischen den Wolken hervor. Heinrich mähte noch eine große Wieser oberhalb des Hangweges. Wenigsten den Großteil des hier gemähten Grummets konnten wir am Tag vor unserer Heimfahrt – im wahrsten Sinne des Wortes – noch ins Trockene bringen. Und seit dem Tag unserer Heimfahrt, Sonntag, 4. September, regnet es im Pfitschertal!
Natürlich waren wir nicht ununterbrochen mit der Landwirtshaft beschäftigt. Monika half immer wieder im Haushalt; beim Bügeln, Kochen, Fenster putzen. Ich machte diverse kleine Reparaturen, holte Holz, machte Scharniere beweglich usw. Und zwischendurch hatten wir zwei Tage, an denen der Nachmittag wirklich frei war. Einmal bewunderten wir die kulturellen Kleinode des Tales, das zweite Mal machten wir einen Spaziergang zum Gasthof Stein.
Bei Wiesen, am Eingang des Pfitschertals und Hauptort desselben, steht das gut 900 Jahre alte Gebäude, das Schloss Moos; zumindest der viereckige, das Dach überragende Turm wurde bereits um 1.200 urkundlich erwähnt. Erbaut wurde es von den geadelten Geschlecht der Trautson, die auch auf der nördlichen Seite des Brennerpasses Höfe und Burgen besaßen. Heute beherbergt dieses schlossähnliche Gebäude ein Pflegeheim. Auch ein alter mit Fresken geschmückter Bauernhof steht in Wiesen. Das Hufeisen im Wappen der Gemeinde Wiesen-Pfitsch war das Wappen derer von Trautson und steht für da wiesenreiche, grüne Untere Pfitschertal. Der obere, schwarze Teil des Wappens symbolisiert das Obere Pfitschertal mit seinem Kristallreichtum und ehemaligen Bergbau. Etwa 20 km taleinwärts liegt der Weiler St. Jakob in Pfitsch. Eine Besonderheit dieser kleinen Ortschaft besteht darin, dass sie gleich zwei Kirchen hat, die dem Hl. Jakob geweiht sind. Der Grund: die alte St. Jakobskirche, erstmals 1577 urkundlich erwähnt, wurde samt dem Friedhof in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1817 von einer mächtigen Lawine zum größten Teil zerstört. Sie wurde wieder instandgesetzt und bereits am 18. Oktober 1817 konnte die Erlaubnis zur Feier der Gottesdienste erteilt werden. Und da die Bevölkerung diesen Ort nicht mehr als sicher betrachteten, wurde in den Jahren 1821 bis 1824 die Neue Jakobskirche samt neuem Friedhof an ihrem heutigen Standort erbaut. Die alte Kirche entwickelte sich danach immer mehr zu einer Marien-Wallfahrtskirche. Aus der Bauzeit der alten Kirche dürften die beiden wunderschönen Figuren, Peter und Paul, stammen. Die Pietà am Altar stammt aus dem 17. Jahrhundert. 1999 wurde der Volksaltar, das Lesepult und drei Sedilien (Sitze im Altarraum), erschaffen von dem Grödner Schnitzer und Holzbildhauer Peter Kostner, aufgestellt und eingeweiht. Von ihm stammt auch das eindrucksvolle Holzrelief an der Seitenwand. Kostner hat mit diesem Relief den Kreuzweg auf drei Stationen zusammengefasst: Jesus, der unter das Kreuz fällt, der am Kreuz stirbt und Jesus, der auferstanden ist. Die Hölzer, die zur Herstellung des Volksaltars, des Lesepults, der drei Sedilien und des Reliefs verwendet wurden, stammen alle aus dem Pfitschertal. Besondere Beachtung verdient die Schmerzhafte Muttergottes von St. Jakob. Sie wurde vermutlich zwischen 1680 und 1720 von einem unbekannten Künstler geschaffen. Die Statue ist vollrund, also auch an der Rückseite ausgearbeitet und ist aus einem Stamm (Zirbelkiefer) herausgehauen. Sie wurde nicht ausgehöhlt und der Kern nicht ausgebohrt. Nach dem Lawinenabgang 1817 gelang sie (widerrechtlich) in den Besitz eines Finders. Erst in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam sie in den Besitz eines Sterzinger Restaurateurs, der sie restaurierte und sie wieder an ihren rechten Platz in der Alten Kirche zurückführte. Bei der Renovierung in den Jahren 1997 und 1998 wurden an der linken Kirchenseite ein Apostelkreuz, vermutlich aus der Erbauungszeit der Kirche, und kleine Freskenelemente, die aus dem 17 Jahrhundert stammen dürften, freigelegt. Eine besondere Sehenswürdigkeit stellt das mit einem Siebenstern als Ornament versehene Jahrhunderte alte hölzerne Portal dar! Die Türe ist aus einem Stück gefertigt und stammt vermutlich aus der Erbauungszeit der Kirche. Es gibt im Pfitschertal 6 Kirchen und 20 Kapellen!
Verlassen wir die heilige Stätte und wenden wir uns profanen Dingen zu! Eine kleine Wanderung am Talschluss von unserem Huiserhof zum Gasthof Stein. Er ist das vorletzte Haus des Tales, bevor es hinauf zum Pfitschertal geht. Und das erste Gasthaus, wenn man zu Fuß oder mit dem Mountainbike vom Pfitscherjoch herunter kommt. Hier am Talschluss ist die Natur fast noch intakt; der Bach noch nicht in ein Bett hinein gezwungen. Und dort gleich hinter den Bergen ist das Zillertal! Nach etwa 45 Minuten gemütlichen Dahinwanderns – dem Pfitscherbach entlang, durch Wald und über Almwiesen – die kleinen Wunder am Wegesrand betrachtend, erreichten wir das gastliche Haus. In der gemütlichen, holzgetäfelten Stube nahmen wir am Ofen an einem gedeckten Tisch Platz. Ein Bier vom Fass und ein Wiener Schnitzel mit Salat war unser Mittagessen. Und ich kann Euch sagen, es hat wunderbar geschmeckt! Nach dem Genuss machten wir uns auf den Heimweg. Wieder schön langsam hinunter zum Huiserhof!
So gingen die zwei arbeitsreichen Wochen vorbei! Die Zeit floss dahin wie das Wasser vom Pfitscherbach. Abwechslungsreich war’s! Die Arbeit, aber noch mehr das Wetter! Und ehrlich: Wir spüren unsere Handgelenke und Knie immer noch! Und nächstes Jahr? Wer weiß, lassen wir es ganz einfach an uns herankommen!