Hilda war pünktlich und freute sich auf uns. Sie holte uns aus Bruneck vom Zug ab. In rund 45 Minuten waren wir mit dem Auto auf dem Bergmeister-Hof in 1.600 m Höhe. Auch von Alois wurden wir herzlich aufgenommen. Wir fühlten uns von Anfang an wie in der eigenen Familie. Moritz, 5 Jahre, war sofort der Liebling der Gastfamilie. Er durfte sich um die 6 Kätzchen kümmern und abends die Hühnereier einsammeln. Bei der Ernte machten ihm besonders die Sprünge in die Heu- oder Grashaufen Spaß. Bei der Silobefüllung sorgte er mit seinem "Fliegengewicht" für die richtige Verdichtung.
Die Hauptbeschäftigung war die Futterernte. Nachdem Alois alles gemäht hatte, waren die Wirtsleute, die Oma und wir Helfer mit dem Rechen beschäftig. Auch das Heu wenden am Steilhang gehörte dazu. Mit dem Hoftraktor wurde die Ernte eingesammelt und zum Stadl gefahren. Das frische Gras wurde in den Silo eingebracht und das trockene Heu locker eingelagert. Zugekaufte Heuballen mussten zusätzlich verstaut werden. An Schlechtwettertagen wurde Heu mit der Maschine geschnitten oder von einem in den anderen Stadl transportiert.
Um 18 Uhr ging es in den Stall. 9 Kühe mussten versorgt werden. Jürgen sorgte für die Mistbeseitigung, die Anfuhr von Maissilage und brachte die gemolkene Milch in den Sammelbehälter. Kristina gab den Kälbchen die Flasche (Nuckeleimer) und "entstaubte" auch mal die Kühe mit Raspel und Bürste. Während unseres Aufenthaltes kamen 3 Kälbchen zur Welt. Bei 2 Geburten waren wir dabei, konnten aber kaum helfen. Dafür haben wir ganz viel über Kühe und Milch erfahren und dass der Verkauf von männlichen Kälbern nach 6 Wochen Aufzucht mit dem Nuckeleimer rund 800 Euro bringt, weibliche Kälber 150 Euro weniger. Die Frage "Warum" konnte keiner beantworten.
Eine Kuh liefert 2x am Tag rund 20 Liter Milch, manche auch bis zu 30 Liter. Rund 40 Ct. erhält der Bauer für einen Liter. Der Preis variiert je nach Qualität. Der Sammelbehälter muss sofort nach der Milchbefüllung auf 4 Grad runter gekühlt werden. Nach der Frühmelkung wird der Sammelbehälter zum Sammelplatz gebracht. Gegen 9 Uhr kommt der Milchtankwagen und saugt die Behälter leer. Stichprobenartig werden Proben entnommen. Sollte die Qualität nicht stimmen, gibt es bis zur nächsten Prüfung weniger Geld je Liter. Für die gute Qualität haben unsere Gastgeber schon Auszeichnungen erhalten.
Kristina und Moritz mussten nach 12 Tagen am 11.8. wieder nach Hause fahren, ich blieb bis Mo. 16.8. (Steffen kam am Sa. 14.8. hinzu) Wegen Regenschauer konnte kein Futter geerntet werden. Ein Weidezaun wurde erneuert. Die Pfosten und Bretter mussten mit dem Schälmesser und dem Beil von der Borke befreit werden. Material wurde zur Weide transportiert, Löcher gebuddelt und Pfosten eingesetzt. Das Nageln der Querriegel und Bretter war dagegen ein Kinderspiel.
Es gab sicherlich noch mehr auf dem Hof zu tun. Unsere Zeit war aber vorbei. Uns hat es sehr großen Spaß gemacht, zumal wir uns mit unseren Gastgebern Hilda und Alois sehr gut verstanden haben.
Abends redeten wir viel, erfuhren viel über Südtirol und seine Menschen, über wirtschaftliche wie politische Probleme. Wir lernten sehr viel über Kühe und die Landwirtschaft, konnten die Vorstellungen von der "Berliner Mauer" richtig stellen und das Leben in einer Großstadt mit dem auf den Land vergleichen. Zum Fernsehen kamen wir nie, dafür war keine Zeit. Für unser leibliches Wohl sorgte Hilda mit ihren Kochkünsten ganz ausgezeichnet.
Sonntags wurde nicht gearbeitet (außer im Stall). Auch diese Zeit nutzten wir mit unseren Gastgebern gemeinsam. Ein Tagesausflug zum Stausee und eine Almwanderung waren eine tolle Abwechslung.
Die dritte Woche nutzte ich, um mit meinem Sohn Steffen eine Hüttentour in den Bergen zu machen. Auch dabei unterstützen uns unsere Gastgeber, sorgten sich um die Vorbereitung, holten Steffen ab und brachten uns mit dem Auto zu einem günstigen Ausgangspunkt.
Wir waren bestimmt nicht das letzte mal "Bergbauernhelfer" und würden gern wieder bei Hilda und Alois helfen. Hoffentlich klappt es im nächten Jahr. Für die freundliche Vermittlung und die "Sorge um unser Wohl" vor Ort bedanken wir uns recht herzlich bei den Mitarbeiterinnen des Vereins. Macht weiter so!