Erlebnisbericht aus dem Vinschgau - Mai 2016

Einsatz auf einem Bergbauernhof im Schnalstal auf 1.840 m Höhe

Im vergangenen Jahr hatte ich mit einem Bergbauern aus Südtirol, der auf dem Weihnachtsmarkt Käse verkaufte, eine nette Unterhaltung über die Arbeit auf einem Hof im Hochgebirge auf der Südseite der Alpen. Das hat mich inspiriert, das Leben dort näher kennen zu lernen und habe mich mit der Bergbauernhilfe Südtirol in Verbindung gesetzt. ich erhielt die notwendigen Kontaktdaten eines Hofes, wo dringend Hilfe gebraucht wurde.

Im Mai diesen Jahres konnte ich nun einen zwar kurzen, aber trotzdem erfahrungsreichen Einsatz für eine Woche im Schnalstal absolvieren. Ich hatte natürlich keinerlei Ahnung was mich dort erwartet, da dies mein erster Einsatz war. Umso erfreulicher war es, mit welcher Freundlichkeit ich dort aufgenommen wurde. Der Bauer, seine Frau und alle Kinder waren sehr zuvorkommend und ich habe mich sofort sehr heimisch gefühlt

Wir hatten neben der Arbeit auch sehr viel Spaß obwohl die Arbeit relativ anstrengend war. Neben der Arbeit im Stall konnte ich auch bei Zaunreparaturen, Holzmachen, bei der Vorbereitung des Ackers für Kartoffeln und Gemüse, sowie beim Kochen in der Küche helfen.

„Dass die Arbeit auf einem Hof kein leichter Job ist, war mir schon klar, wie jedoch die Gegebenheiten der Landschaft im Hochgebirge das alles noch um ein Vielfaches erschweren, konnte ich erst dort erfahren.“

Die Bestellung und Pflege der Wiesen und Äcker in Steilhanglage erfordert einen immensen Mehraufwand an körperlicher Kraft, da der Einsatz moderner Technik, wie Flachland überhaupt nicht möglich ist. Dies fordert allen Menschen, die dort leben und arbeiten alles ab. Die Haltung von Rindern und Schafen ist auch nicht so einfach, wie im flachen Gelände, denn hier lässt man die Tiere einfach frei laufen. Im Hochgebirge kommt es durch Wetterkapriolen wie Schneefall im Frühling oder auch im Sommer zu gefährlichen Situationen für das Vieh in den Bergen. Die Kühe müssen von der Alm heruntergeholt werden, was nicht ohne Risiko für Mensch und Vieh ist, wenn man im Schnee kaum noch die schmalen Trittsteige im steilen Gelände erkennt.

Natürlich brauchen die Tiere das Gute Futter auf den Almen, voller guter Kräuter und voller Energie. Wir wissen, dass eine Pflanze, die in großer Höhe wächst, den widrigen äußeren Umständen mehr trotzen muss und somit mehr Abwehrstoffe enthält, als eine Pflanze aus dem Flachland, die auch noch mit Kunstdünger und Pestiziden behandelt wurde. Deren biologische Wertigkeit ist weitaus geringer. Das gilt übrigens nicht nur für die Tiere, sondern auch für den Menschen.

Die Produktion biologisch wertvoller Lebensmittel stellt für die Erzeuger nicht nur eine körperliche Herausforderung dar, sondern belohnt auch durch Lebensmittel, die für uns alle von größter Bedeutung für die Gesundheit sind. Im Wissen um die Wichtigkeit einer biologisch wertvollen Ernährung ist es umso befremdlicher, wie man heute durch eine falsche Politik, durch falsche Preisgestaltung und Preisdumping, diese Gruppe der Bergbauern immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten bringt, anstatt sie für die harte Arbeit, die Erzeugung bester Lebensmittel angemessen zu bezahlen. Wir alle haben doch den Vorteil von einer vollwertigen, biologisch sauberen Ernährung. Wir sollten deshalb auch nicht versuchen nur billigstes Fleisch, Gemüse, Obst oder Milch zu kaufen. Gute Lebensmittel haben eben ihren Preis.

„Es würde allen Menschen gut zu Gesicht stehen, sich wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren, sich nicht von Industrie, Reklame und Medien auf falsche Fährten verführen zu lassen, die nicht dem Menschen, sondern nur dem Bankkonto derer dienen, die uns suggerieren, dass wir alles das brauchen, was sie uns einreden.“

Da ich nicht nur als Zahnarzt gearbeitet habe, sondern seit 20 Jahren auch eine naturheilkundliche Praxis betrieben habe, konnte ich der Bauernfamilie auch gute Informationen bezüglich gesunder Lebensweise, Ernährung, Medikation bei Erkrankungen, Entgiftungen, Darmsanierung u.a. geben, die sie sicherlich gut anwenden können. Alle waren darüber sehr erfreut und haben die Infos aufgesogen, wie ein Schwamm. Darüber hinaus durfte ich drei Mitglieder der Familie mit Taina-Massagen behandeln, da sie an starken Verspannungen in der Rückenmuskulatur leiden. Auch darüber waren alle glücklich, jedenfalls hatte ich den Eindruck. Alles in allem habe ich mich sehr wohl gefühlt und ich würde das gerne wiederholen. Darüber haben wir uns auch schon verständigt.

Es war für mich sehr beindruckend, wie sehr sich dort auf dem Hof alle mit größter Anstrengung der körperlich sehr schweren Arbeit widmen und dabei immer sehr zuversichtlich sind und ein so harmonisches Verhältnis miteinander haben. Dabei leben sie doch sehr bescheiden und zufrieden. Man hat den Eindruck, dass all die negativen Seiten der " auf Konsum getrimmten Zivilisation" sie gar nicht berühren. Es macht Freuden, zu sehen, wie diese Familie zusammenhält und im Einklang mit der Natur unter doch so schwierigen Verhältnissen lebt. Davor habe ich größte Hochachtung.

Ich wünsche allen Mitgliedern der Familie, dass sie sich dies bewahren.
 

Dieser Bericht wurde auch als Gastbeitrag im Portal „Blauer Schurz – Landwirtschaft miteinander leben“ unter http://www.blauer-schurz.it/2016/06/10/gluecklich/ veröffentlicht.

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Do 21.6
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