Landwirt - Oktober 2017

„Ein Geschenk des Himmels“

Seit über 20 Jahren vermittelt der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) freiwillige Helfer auf extrem gelegene Höfe. Am 30. September nutzte der Verein seine traditionelle Erntedankfeier in Sarnthein dazu, den vielen Freiwilligen für ihren großartigen Einsatz zu danken.  Von Michael Deltedesco

Sie helfen bei der Heuernte auf den steilen Wiesen, versorgen die Kühe im Stall, arbeiten im Haushalt, betreuen Kleinkinder oder pflegen alte Menschen: Knapp 20.000 Arbeitstage haben die freiwilligen Helfer zusammen heuer auf extremen Südtiroler Bergbauernhöfen geleistet. Zwar ist die Zahl der Freiwilligen gegenüber 2016 etwas zurückgegangen, dafür ist aber die durchschnittliche Aufenthaltsdauer auf etwa 10,5 Tagen gestiegen. Auch ganze Schulklassen oder Freundesgruppen erklärten sich bereit, bäuerlichen Familien auf ihren Höfen zu helfen. „Eine Gruppe hatte heuer kurzerhand einen Stadel komplett neu eingedeckt“, freute sich der Obmann des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze Georg Mayr bei der Erntedankfeier in Sarnthein.

Kaum verändert hat sich die Herkunft der Helfer: Sie kommen nach wie vor zu 75 Prozent aus Deutschland. Zwölf Prozent der heimischen Helfer kommen aus Südtirol. „Erfreulich ist auch, dass knapp ein Drittel der Freiwilligen unter 37 Jahre sind“, sagte Mayr.

Dank stand im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Feier stand nicht der traditionelle Rückblick, sondern der Dank an die „Engel, die ein Geschenk des Himmels sind“, wie die Koordinatorin Monika Thaler betonte.

Ausgewählte Freiwillige wurden stellvertretend für die über 2000 Helfer geehrt. Das Ehepaar Berg und das Ehepaar Sedlmair hilft jeweils seit über zwölf Jahren auf Südtiroler Bauernhöfen, Johann Jr. Ertlschweiger war heuer über 76 Tage auf einem Bergbauernhof. Dass man auch noch im Alter Bauern unter die Arme greifen kann, bewies Theresia Köhl: Sie war mit 79 Jahren die älteste Helferin. Der jüngste Helfer war mit 16 Jahren Alessandro Darin. Rudolph Randolf hat auch eine Anreise von über 865 Kilometern aus Berlin nicht gescheut, um seine Bergbauernfamilie zu unterstützen.

Ein riesengroßes „Vergelt’s Gott“ ging an Adriano Vomiero: Er war bereits 29-mal in diesem Jahr und 217-mal in den letzten zehn Jahren auf verschiedenen Höfen im Einsatz.

Obmann Georg Mayr erinnerte daran, dass die Freiwilligen nicht nur den jeweiligen Bergbauern einen unersetzbaren Dienst erweisen, sondern auch der Gesellschaft. „Die Helfer tragen dazu bei, dass Höfe weiter bewirtschaftet werden können und die Bergbauern so weiterhin die einmalige Landschaft pflegen.“

Zwei Wünsche äußerte der Obmann

Trotz der vielen Freiwilligen und der großen Hilfe hatte Georg Mayr zwei Wünsche auf dem Herzen: Zum einen, dass sich noch mehr Südtirolerinnen und Südtiroler für einen Freiwilligeneinsatz entscheiden. „Gerade für Menschen, die in den Ballungszentren wohnen, kann so ein Einsatz eine besondere Erfahrung sein“, meinte er.

Sein zweites großes Anliegen betrifft die finanzielle Situation des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze. Die Beiträge des Landes sind in den letzten Jahren nämlich deutlich zurückgegangen. Die finanzielle Situation des Vereins ist daher schon seit einiger Zeit angespannt, obwohl die Kosten in den letzten Jahren bereits auf ein Minimum zusammengekürzt worden sind. „Die Hauptlast der Finanzierung tragen daher zurzeit die Trägerorganisationen Südtiroler Bauernbund, Caritas, Südtiroler Jugendring und Lebenshilfe. Dank privater Sponsoren konnte ein Teil des Fehlbetrags zwar aufgefangen werden“, sagte Mayr. „Etwas mehr Unterstützung könnte vom Land schon kommen. Zum Glück erhalten wir vom Amt für Senioren und Soziales seit einigen Jahren eine Unterstützung, sonst würde es sehr schwierig werden.“

Eines dürfe laut Mayr nicht vergessen werden: „Die Freiwilligenarbeit ist eine unverzichtbare Imagewerbung für Südtirol. Über die freiwilligen Helfer wurde im heurigen Jahr im Bergsportmagazin „All Mountain“ und in der Biozeitschrift „Quell“ berichtet.“

Der Landeshauptmann war in seinen Grußworten voll des Lobes für die freiwilligen Helfer und kündigte an, den Landesbeitrag an den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze künftig zu verdoppeln.

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Do 18.10
6 - 23
Fr 19.10
5 - 23
Sa 20.10
4 - 22