BAUER SUCHT HILFE
Weinlese statt wandern, Heuernte statt Highlife. Wer im Urlaub auf einem Südtiroler Bergbauernhof mitarbeitet, bekommt kein Geld. Dafür oft eine neue Sicht aufs Leben.
SÜDTIROL Aufstehen mit den Hühnern, den Stall ausmisten, im Gemüsegarten Unkraut jäten, auf steilen Hängen bei der Heuernte oder im Weinberg helfen: Statt zum Wandern in der imposanten Südtiroler Bergwelt kommen immer mehr Menschen zum Hilfsdienst auf abgelegene Bauernhöfe. Gegen Kost und Logis arbeiten sie bis zu 13 Stunden am Tag als Knecht oder Magd auf Zeit. Über 1 700, viele davon aus Deutschland, waren es im Jahr 2010 - sehr zur Freude von Monika Thaler, der Koordinatorin des »Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze«. Und natürlich der hilfsbedürftigen Bauern, die in eine Notlage geraten sind - sei es durch einen Unfall oder Krankheit, weil die jungen Leute wegziehen oder weil sich für landwirtschaftliche Produkte keine kostendeckenden Preise erzielen lassen. Da geht es oft um die Existenz. Aber auch um das Bewahren der alten bäuerlichen Kultur und die Pflege der Landschaft, an der die Bergbauern einen unschätzbaren Anteil haben. Bewerber können in der Regel unter drei oder vier Höfen wählen und werden von den Bauersleuten wie Familienmitglieder aufgenommen. Fitness und Lust am Anpacken - mehr braucht es dazu nicht. Die Arbeit auf dem Hof empfinden viele Helfer als erfüllender als ihren Schreibtischjob. Oder, wie es ein Unternehmer-Paar nach seinem Einsatz formulierte: »Man bekommt einen Blick für die wichtigen Dinge im Leben.«
Info
Verein Freiwillige Arbeitseinsätze, Kanonikus-Michael-Gamper-Str 5,
I-39100 Bozen; Tel.: +39(0)471 999309: http://www.bergbauernhilfe.it/