Stadt-Anzeiger Dezember 2009

Vorweihnachtszeit ist Spendenzeit. Zu keiner Jahreszeit sind die Menschen spendabler als in den Wochen vor Weihnachten. Einen anderen unkonventionellen Weg bedürftigen Menschen zu helfen und etwas zu spenden, geht Dieter Hohnschopp (53) aus Horn. Bis vor einigen Jahren war er als Kripobeamter den Gangstern und Kriminellen auf der Spur, bis er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde. Nunmehr ist er mehrmals im Jahr als Erntehelfer bei Südtiroler Bergbauern im Einsatz.

Zu dieser neuen Aufgabe kam er wie die „Jungfrau zum Kinde“, wie er im Gespräch mit dem Stadt-Anzeiger erläuterte. Über Bekannte, die Südtiroler als Wanderregion lieben und schätzen gelernt hatten, wurde er auf diese in unseren Breitengraden doch recht ungewöhnliche Hilfemöglichkeit aufmerksam. Neugierig geworden machte er sich im Internet schlau und fand die Adresse http://www.bergbauernhilfe.it/. So inspiriert nahm Hohnschopp Kontakt zum Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) auf. Dieser Verein setzt sich speziell für Bergbauernfamilien in Südtirol ein, die ihre Höfe unter schwierigsten Bedingungen bewirtschaften. Der VFA vermittelt den Bergbauern freiwillige Helfer, die bei der Ernte, im Haushalt, bei der Betreuung von Kindern sowie der Pflege von älteren und behinderten Menschen helfen.

Aufgrund der extremen Bedingungen können viele Bergbauern ihre karge Existenz nur unter enormen Entbehrungen sichern. Ohne die freiwillige Mitarbeit müssen viele Bergbauern ihre Höfe verlassen, weil sie nicht wirtschaftlich arbeiten können. „Damit würden diese herzlichen, aber wortkargen Menschen entwurzelt und ihnen ihre Heimat genommen. Daher freue ich mich, wenn ich durch meine Arbeit mithelfen kann, die anfallenden Aufgaben zu erledigen. Wenn ich meine Arbeitskraft spende, sehe ich, dass die Hilfe direkt bei den Bedürftigen ankommt“, so Hohnschopp zu seiner Motivation diese Menschen zu unterstützen. Den ersten freiwilligen Arbeitseinsatz dieser Art leistete er 2003 auf einem in 1800 Meter hoch gelegenen Einödhof im Ahrntal, einem Seitental des Pustertales. Die Bäuerin ist mittlerweile über achtzig Jahre alt. „Auf dem Hof gab es fünf Kühe, zwei Kälber, ein Schwein sowie zwanzig Hühner“, erinnert sich Hohnschopp. Mittlerweile leistet er seit sechs Jahren diese für ihn wichtige Arbeit auch auf anderen Höfen in der Region. In einigen Jahren war Hohnschopp sogar mehrfach im Jahr im Einsatz. Dabei sind enge freundschaftliche Kontakte entstanden. „Ich habe eine tiefe Achtung vor den Leuten, die sich unter extremen Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienen. Denn die Arbeit beim Heuen am Steilhang ist hart und verlangt stets volle Konzentration.“ Bei diesen Worten von Dieter Hohnschopp spürt man, wie wichtig auch für ihn diese besondere Hilfeleistung ist. Der Tagesablauf ist strikt geregelt. Morgens um 5.00 Uhr geht es aus den Federn. Es folgt ein kleines Frühstück, um für die Stallarbeit und das Melken gerüstet zu sein. Bis Mittag – nur unterbrochen durch eine kleine Brotzeit – geht es dann an den Hang. Je nach Witterung steht Heumachen oder auch Spalten von Brennholz auf dem Arbeitsplan. Punkt zwölf wird dann gemeinsam gegessen. Das ist ein Ritual, das sehr ernst genommen wird. Denn nur wer sich ausreichend an der kalorienreichen und schmackhaften Kost gestärkt hat ist auch in der Lage, nachmittags noch die notwendige Leistung zu erbringen. Ebenfalls gemeinsam wird dann abends gegessen. Es folgt die Südtiroler Tagesschau und ein Schnäpschen. Da alle von der guten Luft im Gebirge und der harten Arbeit müde sind, herrscht oft ein „müdes Schweigen“, bis alle früh zu Bett gehen.

Damit aber auch nur wirklich bedürftige Bergbauern in der Region Südtirol diese Hilfe erhalten, hat der Verein Regeln aufgestellt. Grundsätzlich kann nur ein Hof die Hilfe erhalten, der als bedürftig eingestuft ist. Ein Merkmal für dieses Kriterium ist die Steilheit der zu bewirtschaftenden Flächen. Ferner werden die Höhenlagen sowie die Erreichbarkeit des Hofes berücksichtigt. Je höher ein Hof am Berg angesiedelt und je schlechter das Gehöft zu erreichen ist, desto mehr Punkte kann er erhalten. Ihren Bedarf können die bedürftigen Bergbauern beim Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) anmelden. Hier können sich andererseits auch die Helfer bewerben, die diese Art „Ernteeinsatz“ leisten wollen. Ihnen wird bei Bedarf ein Hof vorgeschlagen, bei dem Hilfe notwendig ist. Die Haupteinsatzzeiten liegen zwischen Juni und September. Kürzer als eine Woche sollte der geplante Arbeitseinsatz aber nicht sein. Insgesamt waren 2006 rund 1.100 freiwillige Helfer an insgesamt knapp 14.000 Arbeitstagen im Einsatz. Dieter Hohnschopp plant auch im kommenden Jahr einen erneuten Einsatz in Südtirol. In gut sechs Monaten wird er sich auf den Weg zu einem weiteren freiwilligen Arbeitseinsatz machen. 2010 wird er seine Arbeitskraft einem Bergbauernhof im Martelltal spenden. Der Hof liegt auf knapp 2.000 Metern und ist einer der höchstgelegenen Höfe überhaupt. Allein die Anreise gestaltet sich schwierig, denn der Hof ist nur über einen Lastenaufzug oder einen Fußweg mit dem Rest des Welt verbunden.

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