Wie man seine Sommerferien verbringen kann.
Ein Erfahrungsbericht von Michael Keschka
Montag, 27. Juli 2008 – Tag der Anreise
Um 6.30 Uhr ging es in Dresden mit einer Mitfahrgelegenheit los. Das hieß 5:30 Uhr aufstehen. Natürlich hatte ich die Tasche erst 01:30 Uhr fertig gepackt – alles andere wäre geplant. Dann fiel mir am Morgen noch ein, dass ich die An- und Abreisedaten der Agentur für „Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol“ noch mailen musste und da ich gleich dabei war noch eine Zusammenfassung an meine Familie. Klingt nach einem hektischen Frühstück, was es auch war. Pünktlich um 6:34 Uhr traf ich mich mit meiner Mitfahrgelegenheit hinter dem Dresdner Hauptbahnhof. Die kleine blaue, 10 Jahre alte A-Klasse war leicht überladen, als die Fahrerin und die drei Mitfahrer die Türen zuschlugen. Das konnte man nicht nur an den drei großen Reisetaschen in dem Minikofferraum erkennen, sondern auch an den merkwürdig kurzen Matratzen, die zwischen den beiden Rücksitzen so eingeklemmt waren, dass sich die beiden hinteren Mitfahrer nicht sehen konnten. Abgesehen davon machte der mit allerhand Blechschäden, mit nicht von außen zu öffnenden Hintertüren und mit verdreckten Sitzen (Brandlöcher!) versehene Wagen einen sehr guten Eindruck. Wie auch immer, man soll ja vom Besten im Menschen ausgehen. Also ging es los.
Die erste Pause machten wir nach 2 Stunden Fahrt an einem McDonalds. Das erste, was die anderen drei machten, war sich eine Zigarette anzuzünden. Natürlich – wenn es sich um ein Nichtraucherauto handelt, dann wird im Auto nicht geraucht. Dass man dafür seine Beifahrer in der Pause ordentlich zuqualmen darf, ist mir dabei irgendwie entgangen. Und natürlich reicht eine Kippe bei weitem nicht aus, um der Sucht nachzukommen. Also wird fleißig weiter gequalmt. Dass dann später eine unplanmäßige Pinkelpause wieder auf eine weitere Qualmorgie hinauslief, muss dann nicht mehr erwähnt werden.
In München angekommen und um 23 € leichter, hatte ich noch reichlich anderthalb Stunden bis zur Abfahrt des IC-Zuges nach Bozen. Und was macht man Sinnvolles, wenn man um die Mittagszeit im Münchner Hauptbahnhof mal aufs Klo muss und nicht 1,20 € bei McClean bezahlen will? Richtig! Man verbindet das Dringliche mit dem Nützlichen und geht zu BurgerKing.
Da eine Platzreservierung in internationalen Zügen verbindlich ist, ging ich zu meinem reservierten Platz. Mit mir im Abteil saßen ein – auf den ersten Blick – älteres Ehepaar und zwei Italienerinnen. Wie sich jedoch herausstellte, war das ältere Ehepaar kein Ehepaar, sondern Bruder und Schwester. Sie kamen aus Hamburg und es war nett, sich mit ihnen zu unterhalten. Bei den Italienerinnen begrenzte sich die Konversation aufgrund von Sprachproblemen auf ein „Hallo“ und ein „Tschüss“.
In Bozen angekommen, fuhr auch gleich ein Anschlusszug nach Meran. Obwohl der pünktlich abfuhr, hatte er in Meran ein wenig Verspätung. Diese reichte genau, um meinen Bus nach Moos davonfahren zu sehen. Der nächste und überhaupt letzte an diesem Tag fuhr eine Stunde später. Die Zeit verbrachte ich damit, die ersten Fotos zu schießen und die Reste meines Reiseproviants zu vertilgen. Später im Bus habe ich noch ein bisschen gelesen und dann war ich auch schon da – das heißt fast, denn ich war nur in Moos. Bis zu meinem Ziel – Dem „Tomelehof“ bei Herrn Marth auf dem Rabenstein – waren es noch einige Kilometer. Mein Gastvater wollte mich eigentlich um 20:22 Uhr (Busankunft) abholen. Doch es war niemand da und es fing an zu regnen – ganz klassisch halt. Ich suchte mir Schutz unter einer nahe gelegenen Tankstelle und wartete, wartete und… Doch dann kam er doch noch um 20:45 Uhr. Nicht dass ich daran gezweifelt hätte.
Schon beim ersten Satz von ihm wusste ich nicht, ob ich erschrocken sein oder lachen sollte. Meine Mundwinkel wollten nach oben schnellen, doch meine Stirnfalten kamen ihnen entgegen. Er warf mir so einen starken Dialekt entgegen, dass ich im besten Fall nur Fetzen erahnen konnte. Deshalb blieb auch unser Dialog im Auto auf der Fahrt zum Hof unter den Möglichkeiten. Dort angekommen, wurde ich von einer sehr netten Bäuerin und ihren drei schüchternen Kindern Christoph, Robert und Andrea im Alter von 3, 6 und 7 Jahren empfangen. Sie hatten sogar mit dem Abendbrot auf uns gewartet. Es gab eine Vorsuppe mit Brot und danach leckere Nudeln, von denen ich aber nicht mehr viel essen konnte, da ich mich wohl beim Resteessen übernommen hatte. Danach noch duschen und ab ins Bett. Mein Zimmer war zwar ziemlich klein aber gemütlich und mehr hätte ich auch nicht erwartet. Von dem Rauch, dem wenigen Schlafen und der langen Reise war ich ziemlich fertig. Im Stil von Hape Kerkeling („Ich bin dann mal weg“) habe ich mir vorgenommen, jeden Tag in einer mehr oder weniger geistreichen Erkenntnis zusammenzufassen. Erkenntnis des Tages: Jede Reise hat auch irgendwann ein Ende.
Dienstag, 29. Juli 2008 – Erster Arbeitstag
An meinem ersten Tag durfte ich um 8 Uhr aufstehen. Die Bauersleute waren schon wach und hatten bereits gegessen. Der Bauer war schon los, um die Wiesen zu mähen. Die Bauersfrau blieb noch da und bereitete mir Frühstück. Es gab Brot, das ich mir mit Butter und Marmelade bestreichen konnte. Auf meine Anfrage bekam ich sogar leckeren Honig! Dazu noch 2 Tassen kräftigen Kaffee – was will man mehr?!
Halb neun sind wir beide dann losgegangen. Oberhalb der Bundesstraße befanden sich Wiesen, die ebenfalls zu dem Besitz gehörten. Der Bauer und ein weiterer, älterer Mann mähten bereits fleißig mit der Sense. Ich bekam eine etwas kleinere Heugabel und die Aufgabe, das gemähte Gras zu wenden und gleichmäßig zu verteilen. Klang nach keiner schweren Aufgabe, was jedoch täuschte. Der Hang war an manchen Stellen so steil, dass man mit ausgestrecktem Arm die Wiese greifen konnte. Zum Glück waren die neuen Bergschuhe ihr Geld wert und verhinderten so einige unfreiwillige Abgänge und den damit verbundenen tiefen Sturz. So arbeiteten wir bis ungefähr 11 Uhr den ersten Teil der steilen Wiese zügig ab. Dann gab es „Halbzeit“. So nennt man die Zwischenmahlzeit zwischen Frühstück und Mittagessen, die aus Brot und Speck besteht. Richtigen Speck zum Abschneiden fand ich zwar gewöhnungsbedürftig aber die Pause war mir willkommen.
Bis 13 Uhr schafften wir dann noch den zweiten Teil der Wiese und gingen dann runter in den Hof, um Mittag zu essen. Es gab Cremesuppe mit Brot als Vorspeise, gefolgt von Pfannkuchen mit Sauerkirschen und Marmelade (speziell für mich hatte die Bäuerin Apfelmus gemacht, worauf ich ihr dankend entgegnete, dass das doch nicht nötig gewesen wäre). Als Nachtisch gab es obendrauf noch Kuchen – ich muss ehrlich gestehen, dass ich so ein umfangreiches Menü weitab von Stadt und Supermarkt nicht erwartet hätte, was ich der Bäuerin auch hochschätzend mitteilte.
Bis 15 Uhr durfte ich Mittagsruhe halten. Daraufhin ging es wieder hoch zu der steilen Wiese. Dort mähten und harkten wir den dritten und vierten Teil der Wiese. Mein rechter Arm hatte bereits höllischen Muskelkater, aber ein Sportler kennt ja bekanntlich keinen Schmerz und so packte ich weiter fleißig an. Später kamen noch die Bäuerin und die drei Kinder dazu, die oberhalb der Wiese spielten (Die Bäuerin half natürlich mit). Gegen 18 Uhr gab es nochmal einen kleinen Imbiss auf der Wiese. Das letzte, was wir an diesem Tag noch taten, war das trockene Gras, welches bereits vor ein paar Tagen gemäht wurde, zu Ballen zu formen und mit einer speziellen Holz-Wünschelruten-Konstruktion fest zusammenzubinden. Dann war endlich Feierabend. Zum Abendessen gab es Suppe, einen gewürzten Nudel-Tomaten-Zwiebel-Mix und als Nachtisch frisch aus dem eigenem Garten geerntete Erdbeeren – Ich kann mich nicht beschweren, verhungern werde ich hier wohl nicht! Erkenntnis des Tages: Arschbacken zusammenkneifen und weiterarbeiten. PS.: Warum rufen Mütter an, obwohl sie vorher gesagt – ja sogar fast gedroht – haben, dass sie es nicht machen werden
Mittwoch, 30. Juli 2008 – Dicke Hand? Kein Grund zum Faulenzen!
Heute durfte ich wieder um 8 Uhr aufstehen. Dabei spürte ich in meinem rechten Arm einen starken Schmerz. Meine Selbstdiagnose ergab, dass das nicht ein starker Muskelkater, sondern eine schöne Sehnenscheidenentzündung war. Zufälliger Weise hatte ich Dolobene-Gel und noch eine andere endzündungshemmende Creme dabei und schmierte die sofort drauf.
Das Frühstück stand schon bereit. Später kam die Bäuerin, der ich von meinem geschwollenen und knirschenden Arm erzählte. Sie war ganz erschrocken und meinte, dass ich bald abfahren sollte, da sie meine sportliche Karriere nicht ruinieren wolle. Ich versicherte ihr aber, dass alles in Ordnung wäre und bat sie nur um ein wenig Verbandsmaterial. Noch einmal ordentlich Creme drauf und den Verband fest drum und schon konnte ich wieder arbeiten.
Da der Bauer heute früh auswärts war, um den Großeinkauf zu erledigen, durfte ich mich im Garten beim Unkrautjäten versuchen, was ich – wie ich fand – ganz gut hinbekommen hatte. Aber auch die Bäuerin war ganz zufrieden und bedankte sich sogar. Gegen halb elf kam der Bauer vom Einkauf zurück und wir gingen wieder hoch zu der steilen Wiese… Diesmal war das Heuwenden aber entspannter, da ich schneller war als der Bauer mit dem Mähen und mir die eine oder andere Pause genehmigen konnte. Außerdem spürte ich meine rechte Hand kaum.
Zum Mittag gab es heute echt leckere Speck-Knödel. Man muss wissen, dass hier Knödel in allen Varianten Nationalgericht sind. Dazu konnte man sich noch Blatt- und Tomatensalat nehmen. Die Bäuerin erzählte mir, dass es früher bei ihr zu Hause dreimal in der Woche – nämlich Dienstag, Donnerstag und Sonntag – Knödel gab. Zum Nachtisch gab es hervorragend mundenden Schokopudding. Ich bekam sogar eine volle Portion Nachschlag, weil noch ein Rest übrig war, der nicht mehr in die Schüsseln gepasst hatte. Verwöhnung pur!
Halb drei ging es weiter. Auf dem Weg nach oben traf ich an der Scheune noch den Bauern, der meinte, dass ich mir ruhig noch ein bisschen Zeit nehmen könnte und gab mir 6 „Schießeisen“ mit. Oben angekommen, nutzte ich die freie Zeit, um ein paar schöne Fotos zu schießen. Unsere Hauptaufgabe heute Nachmittag war es, das getrocknete Gras zusammenzurechen und zu Heuballen zu schnüren. Dabei mussten wir uns ziemlich beeilen, da ein Gewitter schon im Anzug war. Heute versuchte ich auch zum ersten Mal, so einen Heuballen zu tragen. Dabei liegt die Betonung auf „versuchte“. Ich hatte echt nicht gedacht, wie schwer es ist, so ein Ding hochzubekommen, geschweige denn, dieses Teil dann noch 100 Meter zu tragen. Nach zahlreichen Anläufen habe ich dann doch noch einen Heuballen hoch auf meinen Rücken bekommen. Die Ballen wurden später an die „Schießeisen“ gehängt. Die wiederum wurden an einem Drahtseil runter ins Tal zum Hof geschossen. Das war eine wesentliche Arbeitserleichterung und zugleich der schnellste Weg nach unten. Es gewitterte bereits und der Bauer wies mich an, mich vom Drahtseil fern zu halten. Ich durfte nach unten gehen, was ich dann auch so schnell wie noch nie tat. Ich hatte ein ganz schön mulmiges Gefühl, während des Gewitters auf einer freien Gebirgswiese zu laufen – Pardon: zu rennen.
Da darauf noch relativ viel Zeit war, spielte ich nach dem Kaffetrinken mit den Kindern „Schneckenrennen“ und „Das kleine Gespenst“.
Zum Abendbrot gab es wieder Speck-Knödel mit Gurken- und Tomatensalat, was mich aber auf keinem Fall störte, weil diese einfach unglaublich gut schmeckten. Als Nachtisch bekam ich wieder eine Extrawurst und die Bäuerin gab mir supersüßes Erdbeersoßenkonzentrat.
Erkenntnis des Tages: Nachschlag muss nicht immer rohe Gewalt bedeuten.
Donnerstag, 31. Juli 2008 – Besuch von FAiS
Auch heute war es der gleiche Ablauf wie die Tage zuvor. Um 8 Uhr aufstehen und Frühstück. Einen Unterschied gab es heute allerdings. Gegen 8.40 Uhr kam eine freundliche Mitarbeiterin von der Organisation „Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol“ vorbei. Sie wollte sich ein Bild von mir verschaffen und fragte mich nach meinem Wohlbefinden. Wir redeten ziemlich lange und viel und sie schenkte mir ein Basecap und eine Schürze, beide mit dem Organisationslogo drauf. Abschließend machte sie für das Internet noch ein Foto von mir.
Danach ging es wieder hoch zur steilen Wiese. Der Bauer hatte mittlerweile schon kräftig vorgearbeitet und eine riesige Fläche gemäht. Es war ja auch schon 9.30 Uhr. Das hieß nun kräftig anpacken und aufholen. Die Wiese war heute noch steiler als sonst – ich hätte nicht gedacht dass das noch geht, aber anscheinend schon. Wie man sehen konnte hatte ich sichtlich Probleme mich fortzubewegen und ich dachte, dass ich so nie fertig werden würde. Doch irgendwie habe ich mich doch durchgehangelt.
Zum Mittag gab es Rippensteak, Kartoffeln und Reis. Als Nachtisch bekamen wir ein höhst ausgezeichnetes Erdbeer-Apfel-Jogurt-Kompott und ich wieder Nachschlag – so lässt es sich leben!
Gegen dreivierteldrei ging es wieder an die Arbeit. Der Bauer und ich mähten den nun wirklich letzten Teil der steilen Wiese fertig. Ganz besonders möchte ich in diesem Bericht hervorheben, dass der Bauer heute zum ersten Mal meine Arbeit gelobt hat. Ich war wirklich richtig stolz, denn bisher hatte ich das Gefühl, dass er eher viel Geduld aufbringt, als dass ich mich geschickt anstelle. Ich hatte mir schon seit Beginn stets Mühe gegeben, die Arbeit zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen und gehofft, dass es ihm auffallen würde. Dass er nun meine Leistung positiv quittierte, machte mich umso glücklicher. Der letzte Teil der Wiese gehörte noch einmal in die steilste (mir bekannte) Kategorie, sodass ich abermals ordentlich zu tun hatte und meine Füße über jede kurze Pause Beifall klatschten. Aber schließlich war auch dieser Teil der Wiese bezwungen und wir genossen Brot mit Speck in unserer wohl verdienten Pause.
Da das gemähte Gras von gestern vom gestrigen Sturzregen noch nicht richtig getrocknet war, gab es da oben keine Arbeit mehr für mich und der Bauer schickte mich runter. Meine freie Zeit nutzte ich damit, bei etwas kühlem aber sehr schönem Wetter vor dem Haus ein Buch zu lesen. Zum Abendbrot gab es eine Gräupchensuppe und danach Rippensteak mit Kartoffeln und Reis.
Erkenntnis des Tages: Murphy‘s Gesetz: Wenn man denkt, dass es nicht mehr steiler werden kann, dann wird es steiler.
Freitag, 1. August 2008 – Große Heuernte?
Heute alles wie gehabt. Um 8 Uhr aufstehen, frühstücken und dann hoch zur Wiese. Diesmal sollte ich aber unser Mittagessen mit hoch nehmen, denn heute blieben wir über Mittag oben. Eigentlich war geplant, heute die große Heuernte durchzuführen. Leider machte uns aber das Wetter ein Strich durch die Rechnung und es fing gegen 15 Uhr mit regnen an.
Früh war ich noch mit dem Bauern alleine oben. Er hatte schon wieder einen großen Teil einer anderen Wiese gemäht, was hieß, dass ich erst mal beschäftigt war. Kurz vor 12 Uhr hatte ich es endlich geschafft und half dem Bauern, der schon dabei war einen bereits gemähten Teil zu „kämmen“. So nennt man das Rechen des gleichmäßig verteilten Grases zu schmalen längs verlaufenden Linien.
Eine knappe Stunde später kam die Bäuerin mit den Kindern hoch und wir ließen unsere Arbeit für das Mittagessen ruhen. Es gab Nudeln mit Erbsen. Dazu konnte man sich Blattsalat nehmen. Insgesamt holte ich dreimal nach, so lecker schmeckte es. Die Krönung war der Apfelkuchen zum Nachtisch. Die Akkus frisch geladen ging es gleich wieder ans Werk, denn wir hatten viel vor. Zuerst „kämmten“ die Bäuerin und ich große Teile der steilen Wiese runter. Der Bauer machte daraus Heuballen. Natürlich durfte ich mich erneut an so einem Wummer versuchen. Nach nur zwei Minuten scheinbar wirkungslosen schweißtreibendem Rödeln und Schnaufen hatte ich den Emmi auch schon auf meiner Schulter. Das Problem war aber: Als ich ihn endlich oben hatte, wurde er auch nicht leichter. Leicht taumelnd trug ich den Ballen zum Drahtseil. Bis dahin schaffte ich es aber leider nicht ganz, da mir am steilen Hang ein Fuß wegrutschte und ich zu Boden ging. Zum Glück war dem Heuballen (und mir) nichts passiert und der Bauer übernahm für mich die restlichen Meter. Einen Vorteil hatte dieser Vorfall aber irgendwie schon, denn der Bauer traute mir keinen weiteren Transport mehr zu und ich durfte die ganze Zeit mit der Bäuerin rechen.
Später, so gegen 14.30 Uhr, erledigten wir die gleiche Prozedur noch auf einer anderen Wiese, wobei der Bruder des Bauern noch hinzu kam und ihm beim Tragen tatkräftig unterstützte. Keine halbe Stunde später fing es jedoch an zu regnen und wir mussten unsere Arbeit abbrechen, denn nasses Heu wird nicht geerntet. Die bereits fertigen Ballen wurden mit den Schießeisen runter in den Hof geschossen. Unten im Hof unterstützte ich den Bauern beim Abnehmen der Ballen vom Drahtseil und deren Einlagerung im Speicher. Er zeigte mir außerdem noch seine neueste Großanschaffung: ein „Muli“ der Marke Reform. Das ist ein Erntefahrzeug, in welches mindestens doppelt so viel wie unsere heutige Ernte reinpasst. Ganz schön beeindruckend und das war nur das kleinste Modell seiner Reihe.
Zum Abendbrot gab es Kartoffelsuppe und danach Nudeln.
Erkenntnis des Tages: Immer einen Schritt nach dem Anderen.
Samstag, 2. August 2008 – Mal kein Regen
Heute war eigentlich den ganzen Tag Regenwetter angekündigt. Deshalb war auch nicht viel geplant. Zum Frühstück um 8 Uhr war sogar der Bauer noch da. Draußen waren die Berge wolkenverhangen und über den Wäldern schwebten dichte Nebelschwaden. Die Sonne konnte sich nicht durchsetzen und es war relativ kühl.
Vormittags besserten der Bauer und ich die steile Anfahrt zum Hof aus. Er schlug mit Schaufel, Hammer und Pickel Löcher in die vermatschte Wiesenspur und füllte sie dann mit Steinen, die ich zuvor mithilfe einer Sackkarre herbeigefahren hatte. Danach holte er den Benzin-Rasenmäher und wir beide liefen hoch zu den steilen Wiesen. Dabei trieb er gleich die Kühe mit hoch. Ein bisschen gefährlich war es schon, da er die Kühe bloß von hinten antrieb und niemand vorne war, um sie zu bremsen. Diese liefen dann einfach auf die Straße und brachten so einige Autos auf beiden Fahrtrichtungen zum Stehen. Aber anscheinend brachten die Fahrer dafür Verständnis auf. Oben angekommen nahmen wir erst einmal Halbmittag. Diese Zeit nutzte der Bauer auch, um die Klingen des Rasenmähers nachzuschleifen. Dann ging es wieder frisch ans Werk. Mit dem motorisierten Mäher war er bei weitem schneller als ich. Das lag auch daran, dass dieser Mäher das Gras ganz anders wirft und es aufwändiger war, das Gras zu wenden und gleichmäßig zu verteilen. Bis 13 Uhr arbeiteten wir so, dann gab es unten Mittag. Zum Mittagessen gab es leckere Spinatknödel. Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder meine Begeisterung nicht teilten. Das störte meinen Appetit aber in keinster Weise. Dazu konnte man sich Weißkraut und Tomaten nehmen. Bis 15 Uhr hatte ich frei, dann ging es wieder hoch. Merkwürdigerweise schien die Sonne nun schon seit Mittag ununterbrochen. Der angekündigte Dauerregen schien sich nicht zu bestätigen. Das war dann auch der Grund, warum wir nicht nur ein bisschen mähten sondern uns umentschieden und später auch noch Heu ernteten. Die Bäuerin blieb mit den Kindern unten im Hof, weil sie davon ausgegangen war, dass wir nicht ernten würden. Da keiner von uns beiden sein Handy mithatte, konnten wir auch nicht Bescheid sagen. So blieb die Erntearbeit heute uns beiden überlassen. Bis 18.30 Uhr schafften wir 7 Heuballen.
Unten half ich noch beim Abnehmen der Ballen vom Drahtseil. Nachdem wir noch ein bisschen sauber gemacht hatten, war endlich verdienter Feierabend – zumindest für mich. Der Bauer holte noch die Kühe von den Wiesen und die Bäuerin machte noch Dieses und Jenes und das Abendbrot. Gegen 21 Uhr fing es doch noch an zu regnen, was schlecht für die morgige Ernte war.
Zum Abendbrot gab es Kartoffelsuppe gefolgt von Spinatknödel und Nudeln mit Tomatensoße. Heute Abend habe ich sogar Wein bekommen. Obwohl ich nur anderthalb Gläser getrunken habe, ist der mir ganz schön zu Kopf gestiegen. Deswegen mach ich es jetzt kurz… Nacht!
Erkenntnis des Tages: Immer einen klaren Kopf bewahren!
Sonntag, 3. August 2008 – Wandern zum Schneeberg
Heute war mein freier Tag und so plante ich eine Tour zum Schneeberg, ungefähr zweieinhalb Stunden zu Fuß von Rabenstein entfernt. Da ja der frühe Vogel den Wurm fängt, stand ich heute um 6.30 Uhr auf. Beim Frühstück erfuhr ich noch, dass die Bauersleute heute früh den Gottesdienst besuchten. Nachdem ich noch schnell ein paar Sachen in meinen Rucksack gepackt hatte, machte ich mich um halb acht auf den Weg. Bevor ich ging, gab mir die Bäuerin noch ein Lunchpaket und meinte, dass ich es mir heute richtig gut gehen lassen sollte.
Auf dem Weg zum Schneeberg machte ich so einige Bilder, da das Panorama, das sich mir bot, förmlich danach schrie. Das Wandern machte richtig Spaß. Zum einen das Bimmeln der Kuhglocken und das Rauschen und Tosen der Bäche, zum anderen herrschte an manchen Stellen des Weges die absolute Stille. Als ich gegen 10 Uhr auf dem Schneeberg ankam war ich noch topfit. Um 13 Uhr begann eine Führung durch den alten Stollen und so beschloss ich, in der verbleibenden Zeit eine kleine Runde zu drehen, um dann bei der Führung wieder da zu sein. Da bot sich der „mittlere Erlebnispfad“ an, der von einer Schautafel als „unverzichtbar“ angepriesen wurde. Leider war aus der Wandkarte nicht wirklich erkenntlich, wo dieser losgehen sollte und ich fragte die Kellnerin aus dem Schneeberger Wirtshaus. Sie meinte, dass ich immer nur der Wegmarkierung „29“ folgen sollte. Dies tat ich dann auch.
Nach einer Weile holte ich einen etwas älteren Man mit großem Tourenrucksack ein und kam mit ihm ins Gespräch. Er kannte sich in dieser Gegend hervorragend aus, da er schon seit 1985 regelmäßig hierher kam um zu touren. Er sagte mir, dass ich wahrscheinlich den falschen Weg gehen würde, um gegen 13 Uhr wieder zurück am Schneeberg zu sein. Er empfahl mir deshalb bei diesem schönen Wetter einen größeren Rundgang zurück zum Rabenstein zu wählen, statt sich das Bergwerk anzuschauen. Da ich nicht den gleichen Weg zurücklaufen wollte und mir der Vorschlag gefiel, änderte ich spontan meinen mehr oder weniger vorbereiteten Tagesplan.
Die Route führte mich vom Schneeberg über „Karls Schacht“ zu dem „großen Schwarzsee“. Oben am Karlsschacht angekommen, bot sich mir ein atemberaubendes Panorama. Anscheinend hatte mein Magen auf diesen Moment gewartet, denn er ergriff mit einem lauten Grummeln unangemeldet das Wort. Da ich bis dorthin durchgelaufen war, nutzte ich also die Gelegenheit bei bestem Kaiser-Wetter und so einer herrlichen Sicht einen Imbiss zu nehmen. Der große Schwarzsee, der mir von dem älteren Wanderer empfohlen wurde, schien mir ziemlich weit entfernt, doch es war gerade erst 11 Uhr und das Wandern bereitete mir immer noch große Freude.
Am großen Schwarzsee hielt ich eine etwas längere Pause. Von der Bäuerin hatte ich Brot, Speck, Käse und Wurst sowie zwei Äpfel mitbekommen. Satt und ausgeruht machte ich mich eine knappe Stunde später wieder auf den Weg. Vom großen Schwarzsee stieg ich zur Timmels Alm ab, bei der ich gegen 15 Uhr ankam. Hier genehmigte ich mir eine weitere Pause und zwei Stück Kuchen (nicht dass ich so viele Pausen nötig gehabt hätte, aber ich sollte es mir ja gut gehen lassen). Von dort bis zum Tomele Hof war es auch nicht mehr allzu weit.
Auf dem Weg dorthin kam ich auch an den steilen Wiesen vorbei. Dort traf ich natürlich die fleißigen Bauern an ihrem arbeitsfreiem Tag beim Kämmen und Heuballenbinden. Ohne lange zu zögern sprang ich mit ein und unterstützte sie bei der Arbeit. Kurz vor 19 Uhr waren wir fertig und liefen runter zum Hof.
Das Abendessen viel leider unverhofft mager aus. Es bestand aus einer mittleren Portion Bratkartoffel und Blattsalat mit Eiern – und das an einem Sonntag (ich dachte, dass vor allem hier der Sonntag noch der Feiertag der Woche ist). Dafür war der Nachtisch umso besser. Es gab selbstgemachtes sehr süßes Wind-Eis mit frischen Erdbeeren. Das Glas Wein war natürlich obligatorisch. Zusammenfassend muss ich sagen, dass das Wetter die ganze Zeit über herrlich sonnig geblieben ist. Irgendwie war es schon eine gewisse Ironie, dass ich an dem besten Tag für die Heuernte frei bekommen hatte. Bei Karls Schacht war es ein wenig kühl, aber die wundervolle Aussicht entschädigte alles. Insgesamt waren es wohl ca. 20- 25 Kilometer, die ich wirklich nicht in meinen Beinen spürte. Ich fühlte mich am Abend noch relativ fit und hatte auch keine einzige Blase. Meine neuen Bergschuhe sind einfach spitze! Erkenntnis des Tages: Wandern reinigt Körper und Seele (und macht Spaß).
Montag, 4. August 2008 – Große Heuernte!
Heute ging es schon eine halbe Stunde früher raus. Wir wollten heute früh so viel Heu wie möglich ernten, da am Nachmittag Gewitter angekündigt worden war. Das hieß in Zahlen 7:30 Uhr Frühstück. Diesen Morgen habe ich unter anderem das Honigglas leerbekommen, dass ich am Anfang meiner Zeit hier angerissen hatte.
Da heute Morgen sehr starker Nebel herrschte, brauchte ich mich dann doch nicht so beeilen, da das Heu so ganz schlecht trocknen konnte. Als ich oben ankam, mähte der Bauer bereits mit dem motorisierten Rasenmäher und ich machte mich an das Heuwenden. Später kämmten wir noch zwei andere Wiesenfelder und nahmen dann Halbmittag. Gleich darauf ging es ans Ernten, denn es hieß, keine Zeit zu verlieren. Die Sonne hatte sich immer noch nicht durchgekämpft und es sah nach Regen aus. Ich half sogar nochmal beim Heuballentragen, was ich mittlerweile (für meine Verhältnisse) ganz gut hinbekam. Gegen 13 Uhr kam die Bauersfrau mit den Kindern und half uns beim Ernten. 14 Uhr gab es dann oben Mittag, welches aus schmackhaften Nudeln mit Käse-Sahne-Soße bestand. Dazu konnte man sich einen Tomaten-Blattsalat nehmen und zum Nachtisch gab es Kuchen.
Frisch gestärkt ging es zügig weiter. Wir kehrten noch so einiges zusammen und der Bauer schnürte noch viele Ballen, die er alle selber zum Seil trug. Als keine Schlingen zum Heuballenbinden mehr da waren, holte der Bauer das Muli-Fahrzeug, mit dem er bereits heute früh hochgefahren war. Mit dem fuhr er zu bereits gestern vorbereiteten Heuhaufen und schaufelte sie hinten rein. Die Technik dieser Maschine fand ich sehr interessant. Am unteren Heck befand sich eine mähdrescherähnliche Walze, auf die man das Gras nur drauf werfen musste und es wurde in den Speicher hineingezogen. So sammelten wir auch noch einen zweiten großen Haufen ein.
Die unteren Ränder der steilen Wiesen befanden sich so weit unterhalb der Stelle des Drahtseiles, dass es zu schwer gewesen wäre, die Ballen so weit hoch zu schleppen. Deswegen kehrten wir das Gras über die Mauerkante auf die Bundesstraße runter, wo es der Bauer in das gefräßige Muli schaufelte.
Am Ende des Tages kamen 11 Heuballen und eine volle Muli-Ladung zusammen, die – so habe ich mir sagen lassen – ungefähr 18 Ballen entsprach. Aus meiner Sicht hätte ich das als große Heuernte bezeichnet, doch wie ich vom Bauer erfuhr, wäre bei richtig sonnigem Wetter durchaus noch mehr drin gewesen.
Später half ich noch beim Ausladen des Mulis und beim Abnehmen der Heuballen vom Schießdraht.
Zum Abendbrot gab es Pilzsuppe und danach die restlichen Nudeln mit Eieromelette (und ein Glas Wein). Zum Nachtisch war der restliche Kuchen fällig.
Erkenntnis des Tages: Lieber Feste feiern, als feste arbeiten.
Dienstag, 5. August 2008 – Der letzte Arbeitstag
Heute war nun doch schon mein letzter Arbeitstag hier. Schon erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht. Es gab wieder um 7:30 Uhr Frühstück. Der Bauer war zwar noch da, machte sich aber schon fertig für den Weg nach oben. Heute wurde einmal wieder schlechtes Wetter für den Nachmittag angekündigt.
Oben angekommen, hatte ich viel zu wenden – besser gesagt extrem viel. Zum Verzweifeln viel. (Hatte ich schon erwähnt, dass ich sehr viel Gras zu wenden hatte?) Anscheinend sollte an meinem letzten Tag noch einmal richtig viel geschafft werden. Demgemäß ließ ich sogar – ich weiß nicht, ob mich Frust oder Verzweiflung antrieb – Halbmittag aus, um wenigstens einen kleinen Teil zu schaffen. Als später die Bäuerin kam war es für mich wie eine Erlösung, denn das hieß, dass es Mittagessen und eine Pause gab. Trotz aller meiner Bemühungen hatte ich in der ganzen Zeit nur einen Bruchteil der gemähten Wiese geschafft. Dazu kam, dass ich von der ununterbrochenen Arbeit total verspannt war.
Zum Mittag gab es Knödel mit Bohnensalat. Nach der ganzen Schinderei schmeckte das ohnehin köstliche Essen gleich doppelt so gut. Vier dicke Knödel und eine Menge Bohnensalat waren im nu verschwunden. Obendrein gab es noch den restlichen Kuchen von gestern. Der Bauer erkannte, dass ich ziemlich fertig aussah und bot mir an, mich noch ein bisschen auszuruhen. Um ehrlich zu sein war ich darüber sehr froh. Ich blieb noch ein bisschen sitzen und entspannte meine Beine.
Es war schon erstaunlich, aber die Mahlzeit und die kleine Extrapause hatten mich neu motiviert. Dazu kam, dass mich die Bäuerin beim Wenden unterstützte. Es lief jetzt zwar schneller, doch es war immer noch viel Arbeit und ging nur zäh von der Hand. Es kam hinzu, dass starker Wind heraufzog und das Wenden zusätzlich erschwerte.
Irgendwann – und ich hatte wirklich schon gezweifelt – hatten wir dann doch die ganze Wiese geschafft. Erleichterung machte sich in mir breit. Der Bauer wollte anschließend noch ein paar Heuballen binden, doch das Gras von gestern war einfach noch nicht trocken genug. So genossen wir ein paar Minuten nichts tuend im gemähten Gras, bevor wir uns zum Hof zurückzogen.
Zum Abendbrot gab es Nudeln mit Tomatensoße und Knödel mit Gurken- und Tomatensalat. Der Bauer wünschte mir für den Fall, dass wir uns am nächsten Morgen nicht mehr sehen, alles Gute und Gesundheit und eine gute Heimfahrt.
Erkenntnis des Tages: Wen einem eine Pause angeboten wird, dann sollte man sie annehmen.
Mittwoch, 6. August 2008 – Tag der Abreise
Gegen 8:30 Uhr war ich abreisefertig und verabschiedete mich von meiner Gastfamilie. Um zurück nach Hause zu kommen, musste ich die erste Teilstrecke mit dem sogenannten „Wanderbus“ zurücklegen. Dieser „Wanderbus“ fährt jeden Morgen und jeden Nachmittag einmal von Moos (in Passeier) rauf zum Timmelsjoch (Österreichische Grenze), macht dort eine kurze Pause und fährt dann wieder runter nach Moos. Das Gute ist, dass dieser Bus keine Haltestellen hat. Man kann ihm jederzeit zuwinken und einsteigen. Man bezahlt dann nur einen pauschalen Preis für das Hoch- und/ oder Runterfahren. In Moos hätte ich beinahe meinen Anschlussbus verpasst, da irgendjemand so klug war, mitten auf der engsten Stelle der Bergstraße seinen Wohnwagenanhänger von seinem Pkw abzukoppeln und so einen Riesenstau verursachte. Das Problem war nicht der Wohnwagen an sich, sondern die zig dutzend Autos dahinter, an den sich unser breiter Bus ebenfalls vorbeischlängeln musste. Mann – hatte ich Herzrasen und mit mir noch drei weitere Wanderer, die ebenfalls den Anschluss nicht verpassen wollten. Kurz vor Moos sahen wir von den Serpentinen aus den Anschlussbus schon fahren. Nur durch den mutigen Einsatz unseres Busfahrers, der mal kurz die Verkehrsregeln außer Acht ließ und sich so auf die Straße stellte, dass der andere Bus anhalten musste, hatten wir unseren Anschluss doch noch bekommen. Puhh…
Der Bus fuhr von Moos über St. Leonhard nach Meran. Dort angekommen, rannte ich einfach auf Verdacht zum Fahrkartenschalter des Bahnhofes, um nicht eventuell einen Zug zu verpassen. Am Schalter gab mir der äußerst gelassen wirkende Verkäufer die Fahrkarte nach Bozen mit dem knappen Kommentar: „Der nächste Zug in 2 Minuten von Gleis zwei.“ Darauf hastete ich mich mit meinem Reiserucksack so schnell wie möglich zum Gleis zwei in den dort stehenden Zug ohne auf irgendwelche Anzeigen zu achten oder zu lesen. Erst war ich mir unsicher, doch dann war es doch glücklicherweise das richtige Gleis, der richtige Zug und die richtige Richtung. Da wusste ich zum ersten Mal, dass nicht mehr so viel schief gehen konnte.
Bereits vor der Abfahrt nach Südtirol hatte ich eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Hause organisiert. Wie der Zufall es so wollte, fand ich auf Anhieb einen passenden Fahrer, der von Bozen aus nach Leipzig fuhr. Er hatte zwar noch eine weitere Person mit im Auto, dafür verstanden wir uns von Anfang an sehr gut und die Fahrt war sehr entspannt. Gegen 20 Uhr setzte er mich am Leipziger Hauptbahnhof ab. Den Zug nach Dresden hatte ich natürlich um ein paar Minuten verpasst und der nächste fuhr erst in einer knappen Stunde. Ergo sah ich mich gezwungen, der Fastfood-Kette mit dem goldenen M einen Besuch abzustatten. Erschöpft und ziemlich müde kam ich kurz vor 23 Uhr nach Hause und setzte gleich ohne große Umwege zum Landeanflug auf mein geliebtes Bett an.
Vielen Dank an die Familie Marth und an das Team von „Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol“ für ein forderndes, schönes und unvergessliches Erlebnis!