Z am Sonntag - Dezember 2018

Auch das ist Weihnachten: Zeit schenken

Mitmenschlichkeit rückt gerade jetzt in der stillen Zeit verstärkt in den Vordergrund. Zahlreiche Spendenaktionen appellieren an unser Gewissen. Doch nicht immer kann mit Geld allein geholfen werden, weiß so mancher Ehrenamtlicher. Die „Zett“ hat vier von ihnen aus allen Landesteilen getroffen und erfahren, warum sie sich für andere Zeit nehmen und wie sie ihr Engagement persönlich bereichert.

„Ein Vergelt’s Gott? Unbezahlbar“

SCHLANDERS (mh) Andere in seinem Alter sitzen in der Bar und spielen Karten. Florian Pircher (66) aus Schlanders aber nutzt seine Freizeit seit der Pensionierung vor acht Jahren, um Bauersleuten zu helfen. Neben seiner Tätigkeit als Schülerlotse und Wochenend-Barist in der örtlichen Altersheimbar geht der ehemalige Maurer mehrmals im Jahr zu freiwilligen Arbeitseinsätzen auf Vinschger Bergbauernhöfe. Heuer waren es insgesamt 28 Einsatztage, seit 2011 ganze 162, die er zwischen Martell, Schnals und dem Laaser Berg geleistet hat. „Ich arbeite meist auf den gleichen Höfen. Wenn sie Hilfe brauchen, bin ich in einer halben Stunde dort“, erzählt der dreifache Vater und vierfache Opa. Zu dem Verein für Freiwillige Arbeitseinsätze gekommen ist der gebürtige Kortscher zufällig. „Ich habe 2011 einer Bäuerin in Tanas geholfen, weil ihr Mann verunglückt war. Dort waren auch zwei Freiwillige aus dem Verein und sagten mir, dass ich mich doch anmelden solle, damit ich bei der Hofarbeit versichert sei. Seitdem bin ich dabei und es ist wunderbar“, erzählt er. „Ich bewege mich an der frischen Luft und kann den Bauern gleichzeitig etwas von dem zurückgeben, was sie tagtäglich leisten, um unser schönes Landl zu erhalten. Außerdem helfe ich aus eigener Dankbarkeit: Ich habe eine super Familie, ein schönes Haus und bin nach einer schweren Erkrankung 2011 wiedergenesen.“ Wird er nicht daheim beim Aufpassen auf seine Enkel gebraucht, hilft er am liebsten bei der Heuernte, beim Zäunen oder Holz hacken. Was es heißt, anzupacken und hart zu arbeiten, hat er schon als Bub auf dem elterlichen Hof mit zehn Geschwistern gelernt. „Mit zehn Jahren habe ich beim Hüten meinen ersten Anzug verdient“, erzählt er rückblickend. Dass er auf den Höfen oft mit sozialen Härtefällen konfrontiert wird, damit kann er umgehen. Da muss man durch und den Menschen auch mal zuhören. Viele erzählen gern und sind dankbar für meine Anwesenheit.“ Übernachten aber mag Pircher auf den Höfen nicht. „Ich habe erlebt, dass Kinder auf dem Diwan übernachten mussten, um einen Helfer unterzubringen. Das will ich nicht.“ Darum ist sein Einsatzgebiet auch auf den Vinschgau beschränkt. Obwohl es dort die meisten Antragsteller gibt, seien die Helfer aber Mangelware, weißer. „Ich habe oft versucht, andere zu motivieren. Aber bis zum Schluss bekamen sie kalte Füße“, bedauert Pircher. Er selbst möchte noch lange mithelfen und wünscht sich für Weihnachten darum nur eines: Gesundheit–für sich und auch für seine Lieben.

„Für ein lächeln unterm Baum“

ST. ANDRÄ (mh) Eine Skibrille oder eine Puppe, aber auch ganz rudimentäre Sachen wie warme Socken und Zahnpasta: In Südtirol gibt es Familien, die sich diese Dinge nicht leisten können. Sie kommen finanziell kaum über die Runden. Diese beklemmende Tatsache hat Petra Spitaler Goller aus St. Andrä bei Brixen 2013 bewogen, die Facebook-Gruppe „Ein Karton voller Freude–Von Familien für Familien“ zu gründen. Mit Sachspenden soll den sozialbenachteiligten Kindern zumindest zu Weihnachten ein Lächeln ins Gesicht gezaubert werden. Wie das Ganze funktioniert? „Hilfsorganisationen wie die Bergbauernhilfe oder die Plattform für Alleinerziehende geben uns anonyme Listen bedürftiger Familien weiter“, erklärt Spitaler Goller. „Auf denen ist vermerkt, was eine Familie braucht oder was sich deren Kinder (dafür wird Alter, Geschlecht und Kleidergröße angegeben) zu Weihnachten wünschen. Wir, ein mittlerweile achtköpfiges Team von engagierten Müttern, stellen ab Oktober einen Wunsch nach dem anderen auf Facebook und warten darauf, dass sich einer unserer 2600 Follower bereit erklärt, einen Karton zu übernehmen und zu füllen.“160Geschenkpakete konnten so heuer landesweit von den Frauengruppezusammengekarrt und Anfang Dezember an die Hilfsorganisationen weitergegeben werden. Bevor dies aber geschieht, wird jeder Karton geöffnet und kontrolliert. „Es ist leider schonvorgekommen, dass kaputte und schmutzige Dinge drinnen waren. Daes verschiedene Auffassungen von ‚Gebrauchtwaren‘ gibt, bitten wir die Spender darum, nur noch Neuware einzupacken. Auch deshalb, weil die bedürftigen Familien meist eh das ganze Jahr über Gebrauchtes tragen und nutzen“, weiß Spitaler Goller. 30 bis 50 Euro gibt ein Spender im Schnitt für einen Geschenkkarton aus. Manche auch über 100 Euro. „Es liegt am Spender selbst, ob er neben dem Gewünschten noch was dazulegen will. Viele Spenderfamilien packen auch Kinderzeichnungen mit in den Karton. Das finde ich besonders schön. “Kommen Geldspenden, kauft die Frauengruppe Erlebnisgutscheine, die den Paketen beigelegt werden. „Ich bekomme oft Gänsehaut, wenn ich sehe, dass sich Familien einfach nur Waschpulver oder warme Winterschuhe wünschen“, ist Spitaler jedes Jahr aufs Neue gerührt und zugleich zufrieden, wenn sie im kleinen Rahmen helfen kann. „Durch das Projekt aber habe ich Hoffnung für die Zukunft. Es gibt in Südtirol wirklich viele Menschen, die ihre Unterstützung anbieten. Das ist Weihnachten!“

VideoErleben Sie jetzt das Video vom Arbeitseinsatz.
Fr 18.1
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Sa 19.1
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So 20.1
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