Dolomiten – Oktober 2018

Dolomiten – Oktober 2018

Sinn für Unbezahlbares wachhalten

ERNTEDANK: Verein Freiwillige Arbeitseinsätze dankt Helfern und Unterstützern – Beitrag zur Erhaltung der Höfe – 20.027 Einsatztage

SARNTHEIN (br). „Gott schickt uns Sonnenschein, lässt wachsen Korn und Wein“, sang der Bäuerinnenchor von Zwölfmalgreien und war damit schon mitten im Thema: Ernte, für die es helfende Hände braucht. Erntedank feierte der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol (VFA) am Samstag im Bürgerhaus von Sarnthein.

„Nicht immer darf es um die Frage gehen: Was habe ich davon?“, sagte Pater Daniel Höllwerth beim Gottesdienst zu Beginn. Freiwillige Helfer stellten ihre Zeit und Talente bereit und hielten so den Sinn für das Unbezahlbare wach. Dies mache auch die Helfer reicher. Pater Daniel ist selbst einer von ihnen. „Dank dieser Symbiose wird unser Land so schön erhalten, wie wir es haben“, sagte VFA-Obmann Georg Mayr. Die freiwilligen Helfer leisteten Großes. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Zahlen leicht gestiegen. Auf 315 Berghöfen standen 2014 Freiwillige 20.027 Tage im Einsatz. „Danke, dass ihr euch einlasst auf dieses Abenteuer freiwilliger Arbeitseinsatz“, sagte Koordinatorin Monika Thaler. Als Koordinatorin sorgt sie dafür, dass die richtigen Helfer auf den richtigen Hof kommen. Sie dankte auch den Unterstützern des VFA. Das Land hat seinen Beitrag verdoppelt und so die finanzielle Not, in der der Verein steckt, gelindert. „Bei der Unterstützung wird es Kontinuität geben“, sagte Soziallandesrätin Martha Stocker. Sie sprach damit auch für ihren Kollegen, den Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler. „Ihr helft in schwierigen Lagen und schwierigen Situationen“, betonte Viktor Peintner von Südtiroler Bauernbund. Die freiwilligen Helfer hätten großen Anteil daran, dass Landschaft und Höfe erhalten blieben. „Dies ist ein Beitrag im Sinne der Umwelt, der Gerechtigkeit für nächste Generationen, für Europa“, unterstrich Paolo Valente von der Caritas. Das große Wir dürfe nicht zerfallen. Dass es der Jugend immer wichtig sei, ihren Beitrag zu leisten, hob Michael Kaun vom Südtiroler Jugendring hervor. Der Jugendring ist, wie Bauernbund, Caritas und Lebenshilfe, Träger des Vereins. Die Freiwilligen helfen auch bei der Betreuung von Kindern, alten Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung. Den Dank der Südtiroler Lebenshilfe überbrachte Monika Tscholl. Was es für die Helfer heißt, auf den Höfen zu sein, früh aufzustehen und anzupacken, hat Tobias Enzl aus Bayern in ein Lied gepackt, das bei der Feier wiedergegeben wurde.

3 Fragen an den freiwilligen Helfer Thomas Baier

„Dolomiten“: Herr Baier, Siestammen aus Wolfsburg in Niedersachsen und hatten die längste Anreise zur Erntedankfeier. Wie kam es, dass Sie als freiwilliger Helfer auf einem Südtiroler Berghof landeten?

Thomas Baier: Ich war schon öfters hier in Südtirol auf Urlaub, und mich beeindruckte die schwere Arbeit auf den Berghöfen. Als ich auf den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze aufmerksam wurde, meldete ich mich für einen Arbeitseinsatz. Schon seit etlichen Jahren helfe ich auf dem Gallhof in Völlan mit, und es macht Spaß. Heuer war ich schon 2 Mal hier – jeweils für 2 Wochen.

„D“: Sind Sie mit der bäuerlichen Arbeit vertraut?

Baier: Meine Großeltern hatten einen Bauernhof, und als Kind war ich öfters dort. So habe ich schon eine Ahnung. Auf dem Gallhof helfe ich vor allem bei der Heuernte und im Stall mit. Als KFZ-Meister kann ich auch die Wartungsarbeiten beim Traktor und bei anderen Maschinen übernehmen. Das ist für den Bauern sehr praktisch, weil ja immer etwas anfällt, was repariert werden muss.

„D“: Mit welchen Erwartungen sind Sie gekommen, mit welchen Erfahrungen sind Sie heimgefahren?

Baier: Ich kam in der Erwartung, dass ich meine Hilfe gut einbringen kann und dass die Bauernfamilie etwas hat davon. Gegangen bin ich beschenkt und zufrieden. Auf dem Hof leben der Jungbauer mit seiner Frau und 2 kleinen Kindern. Es ist eine intensive Bekanntschaft daraus geworden, und mir wird viel Dankbarkeit entgegengebracht.

Dank – Hilfe wird gebraucht

SARNTHEIN (br). Margit Kaserer ist Bäuerin auf dem 1450 Meter hoch gelegenen Obkircherhof in Martell und bewirtschaftet ihn mit ihren 3 Kindern und den Eltern. Vor 3 Jahren erkrankte ihr Mann, im vergangenen Dezember starb er. „In den letzten Jahren habe ich viel Unterstützung von den freiwilligen Helfern erfahren“, sagte Kaserer bei Erntedankfeier in Sarnthein. Die Hilfe sei eine enorme Erleichterung bei der Arbeit und menschlich eine große Bereicherung für die ganze Familie. Die Erntehelfer kamen aus dem Unterland und dem Vinschgau und halfen bei der Heuernte und bei Instandhaltungsarbeiten. „Ich bin sehr froh, dass es diese Hilfe in Südtirol gibt, und ich danke euch von Herzen für die große Hilfe, die mit keinem Geld auf der Welt aufzuwiegen ist“, betonte Kaserer.