Dolomiten – Oktober 2020

Dolomiten – Oktober 2020

Mit einem kleinem blauem Auge davongekommen

In einem „normalen“ Jahr hätte der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze Anfang Oktober bei seinem Erntedankfest auf ein arbeitsreiches Jahr zurückgeblickt. Im Jahr der Corona-Pandemie war – und ist – vieles anders.

Eigentlich hatte das Jahr sehr vielversprechend begonnen – erinnert sich Monika Thaler, die Koordinatorin des Vereins Freiwillige Arbeiutseinsätze: „Wir haben schon seit November des Vorjahres viele Anmeldungen erhalten. Es haben sich viele neue Menschen für einen Einsatz auf einem Bergbauernhof interessiert, angemeldet und damit ihr Versprechen gegeben, die Bergbauern in Südtirol unterstützen zu wollen. Wir hatten schon viele Einsätze bis in den Juni hinein organisiert und geplant.“ Plötzlich, Mitte März, war von einem Tag auf den anderen alles umsonst. Nichts ging mehr. „Die Telefone sind zwar heiß gelaufen und wir hatten alle Hände voll zu tun, aber es waren keine Einsätze mehr erlaubt. Alles musste abgesagt, verschoben und annulliert werden. Es kamen keine Anmeldungen mehr. Einige Bauernfamilien haben ihren Antrag um freiwillige Helfer, aus Angst vor einer Ansteckung, zurückgezogen“, erzählt Thaler. Die Aussichten auf einen Sommer mit Helferinnen und Helfern waren mehr als getrübt. Niemand wusste, wann und ob Einsätze jemals wieder möglich sind und wenn ja, unter welchen Umständen.

Gerade noch rechtzeitig zur Heuernte gab es dann endlich gute Nachrichten. Mit der Bewegungsfreiheit in Südtirol selbst und mit der Öffnung der Staatsgrenzen meldeten sich doch noch viele Menschen für einen freiwilligen Arbeitseinsatz an. Das freut auch Georg Mayr, den Obmann des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze: „Dass sich in dieser besonderen Situation so viele Frauen und Männer bereit erklärt haben, Bergbauernfamilien in Südtirol ihre Zeit zu schenken und ihre Unterstützung zu bieten, ist nicht selbstverständlich! Unsere freiwilligen Helferinnen und Helfer haben das getan, trotz vieler widriger Umstände: Ansteckungsgefahr, Abstand halten, Arbeitslosigkeit, ungewisse Zukunftsaussichten, Urlaubssperren und anderem mehr.“ Das Resümee von Mayr zu diesem besonderen Jahr fällt trotz allem positiv aus: „Wir sind aus dieser Krise heuer dank der Mitarbeit der Helferinnen und Helfer gut bzw. nur mit einem kleinen blauen Auge davongekommen. Rückblickend auf das heurige Jahr können das nicht alle sagen.“

Zahl der Angemeldeten gestiegen

Ein Blick auf die Zahlen des Corona-Jahres 2020 zeigt einige interessante Entwicklungen. So ist die Zahl der angemeldeten Helferinnen und Helfer im Jahr 2020 im Vergleich zu den Jahren zuvor nicht – wie man vielleicht vermuten möchte – gesunken, sondern sogar angestiegen. Wenig geändert hat sich an der prozentuellen Verteilung der Helfenden: Zwei Drittel kommen aus Deutschland, jeder Vierte kommt aus Südtirol. Auffallend ist in diesem Jahr ein leichtes Plus bei den einheimischen Helferinnen und Helfern, die einen Arbeitseinsatz geleistet haben. Monika Thaler berichtet: „Verglichen mit dem vergangenen Jahr haben 70 Südtirolerinnen und Südtiroler mehr einen freiwilligen Arbeitseinsatz geleistet. Das entspricht einem Plus von 3,2 Prozent.“ Dass es bei den Helfern aus Deutschland ein fast gleich großes prozentuelles Minus gab, ist angesichts der Situation in diesem Jahr durchaus nachvollziehbar – und führt zu einem anderen Punkt in der Jahresstatistik: „Die Verlustrate – also der Anteil jener Helfenden, die sich zwar für einen Einsatz anmelden, dann aber nicht kommen können, war in diesem Jahr um einiges höher als im Schnitt der vergangenen Jahre. Wenn fix eingeplante Einsätze abgesagt werden, ist das natürlich immer bedauerlich, aber in diesem Jahr war damit wohl zu rechnen.“ Dieser Umstand bringt es mit sich, dass die Zahl der effektiven Einsatztage mit knapp 17.000 Tagen deutlich unter dem Wert des Vorjahres (rund 18.500) lag. Eine leichte Verschiebung hat es in diesem Jahr übrigens auch bei der Verteilung nach Geschlechtern gegeben: Der Anteil der Frauen, die einen Arbeitseinsatz leisten, ist um 2,1 Prozent gestiegen und liegt nun bei 48,9 Prozent. Das Verhältnis von Frauen und Männern ist hier also nahezu ausgeglichen.

Mehr Helfende aus Bozen und Umgebung

Gerade in diesem besonderen Jahr haben sich also viele Einheimische für einen freiwilligen Einsatz auf einem Südtiroler Bergbauernhof entschieden. Schaut man sich die Verteilung der Helferinnen und Helfer auf die einzelnen Bezirke an, dann fällt das Plus im Raum Bozen und Umgebung mit 6,6 Prozent am deutlichsten aus. Weniger helfende Hände als im vergangenen Jahr kamen aus dem Eisacktal (– 6,4 %) und aus dem Unterland (–3,3 %). Bei den Gesuchstellern kamen im Jahr 2020 die meisten aus dem Vinschgau (38,4 %) und dem Burggrafenamt (25,4 %), die Entwicklung in den einzelnen Bezirken war im Vergleich zu den Vorjahren recht stabil. Eigentlich sollten diese Zahlen zum abgelaufenen Einsatzjahr Anfang Oktober im Sarner Bürgerhaus in Sarnthein vorgestellt werden – verbunden mit einem aufrichtigen Dank an die Helferinnen und Helfer. „In diesem Jahr mussten wir unseren Dank auf schriftlichem Weg übermitteln. Wir vertrauen aber darauf, dass jene, die unseren bäuerlichen Familien in diesem Jahr geholfen haben, wissen, wie sehr wir ihre Hilfe schätzen – und dass sie wiederkommen“, hofft Mayr.