11 Feb. Erlebnisbericht aus dem Eisacktal-Januar 2026
Zwischen Stallgeruch, Bergluft und kleinen Abenteuern
Nachdem uns der Arbeitseinsatz in Tirol so gut gefallen hatte und wir schnell merkten, wie sinnvoll diese Unterstützung für die Bauernfamilien ist, fiel die Entscheidung leicht: Ein weiterer Einsatz sollte folgen. Dieses Mal zog es uns nach Südtirol – auf einem traditionsreichen Erbhof hoch über dem Tal.
Untergebracht waren wir wieder in einem gemütlichen Zimmer mit etwas Platz und einem Bad – Luxus genug, um den frühen Start in den Tag gut wegzustecken. So störte es uns auch kaum, dass der Wecker bereits um 5 Uhr gnadenlos Rabatz machte. Pünktlich um 6 Uhr standen wir dann bereit, um mitanzupacken.
Vieles lief in vertrauten Bahnen ab: Zunächst das alte Heu herauskehren, dann durfte Frank neues Heu von der Scheune hinabwerfen und Andrea verteilte alles. Danach standen mehrere Kälbchenställe auf dem Programm: ausmisten, frisches Stroh einbringen, alles wieder herrichten.
Da es auch hier Kühe gab, die dem Melken nicht besonders wohlgesonnen waren, durften wir erneut als „Kuh-Wellness-Team“ einspringen. Wer jetzt denkt: „Oh, wie süß!“, liegt falsch. Gekrault wurde nicht am Kopf, gefragt war beherztes Kraulen direkt am Arsch, genauer gesagt am Schwanzansatz. Wirkungsvoll, aber definitiv gewöhnungsbedürftig.
Zudem musste der großzügige Außenstall vom Kuhmist des letzten Tages befreit werden. Mit Schieber, Schaufel und Schubkarre bewaffnet, ging es an die Arbeit. Während sich drinnen die Kühe ihre Bäuche mit frischem Heu vollschlugen, offenbar mit dem festen Vorsatz, später wieder für reichlich Nachschub zu sorgen, schoben wir die ganze Scheiße zusammen, schaufelten sie in die Schubkarre und brachten alles nach und nach zum Misthaufen.
So gegen halb 8 gab es dann Frühstück. Doch, noch bevor wir zulangen konnten, gab es Alarm. Keiner hatte daran gedacht, den Elektrozaun am Außenstall einzuhängen. Die neugewonnene Freiheit nutzten die Kühe prompt für einen kleinen Ausflug. Also mussten wir uns mit Stöcken bewaffnen und die entflohenen Kühe wieder zurücktreiben. Ein Heidenspaß – zumindest im Nachhinein!
Verblüfft stellten wir fest: Auf einem Hof mit ca. 700 Hühnern hätten wir erwartet, dass es jeden Morgen Eier zu essen gibt. Aber weit gefehlt. Offenbar isst man hier am Hof eher wenig Eier. Soll jetzt aber nicht heißen, dass es überhaupt keine gab. Für uns wurden, weil wir sie mögen, täglich frische Frühstückseier gekocht. Aber der Rest der Familie hatte nur gelegentlich mal eins gewollt.
Nach dem Frühstück gab es eine kurze Pause, dann ging es wieder an die Arbeit. Heu vorbereiten, den Stall der Laufenten ausmisten und Eier sortieren, säubern und beschriften. So verging der Vormittag ratzfatz und es wurde zum Mittag gerufen.
Am Nachmittag half Frank mit, beim Agrotruck die Ladefläche abzustellen und stattdessen den Rungenaufbau mit Holzladekran zu montieren und alle beweglichen Teile abzuschmieren. Andrea half unterdessen der Bäuerin ein wenig im Haushalt, denn neben der Bewirtschaftung des Bauernhofs und der Betreuung von drei Kindern bleibt nur wenig Zeit für die Hausarbeit. Während unserer Zeit hier merkten wir schnell, dass alles gut geplant und durchgetaktet sein muss, damit alles reibungslos funktioniert.
Kurz nach 17 Uhr ging es dann wieder in den Stall. Heu herauskehren, neues Heu verteilen und den Außenstall für die Nacht bei Frosttemperaturen vorbereiten. Außerdem mussten bei den Hühnern die Klappen zum Freilauf geschlossen werden, da sonst Raubtiere das reichhaltige Buffet plündern würden. Gegen 19:30 Uhr war schließlich Feierabend.
Die Zeit am Hof war mehr als Arbeit. Sie war Reise, Begegnung, Erlebnis und Emotionen pur.


