Erlebnisbericht aus dem Pustertal – September 2026

Erlebnisbericht aus dem Pustertal – September 2026

Abenteuer, Arbeit und Glück

Am Anfang war eine ideelle Vorstellung. Dann begann das Abenteuer mit Glück.
Noch bevor es zu meinem Arbeitseinsatz kam, trug ich in mir den Wunsch, nicht nur als Tourist Südtirol und seine Natur zu genießen. Mit dem zufälligen Entdecken der „Bergbauernhilfe“ reifte die Vorstellung und letztlich die Motivation, wenigstens zu versuchen, aktiv zum Erhalt dieser wunderbaren und wertvollen Kulturlandschaft beizutragen.
Seit dem Ausfüllen des Bewerbungsformulars und den ersten Gesprächen, dem Konkretwerden des Einsatzes durch das Festlegen des Einsatzzeitraums, wuchsen mehr und mehr Fragen und Vorstellungen darüber, was mich erwartet. Für einen Beamten wie mich wird es wohl eine andere Welt sein. Auch wenn ich gerne Sport treibe und mich mit Mitte 60 fit fühle, werde ich sicherlich mit bislang Unbekanntem zu tun haben. Das ist nichts anderes als ein Abenteuer. Was sind die Erwartungen an mich? Kann ich tatsächlich helfen und unterstützen? Reicht das, was ich mitbringen kann, aus?

Der erste Schritt in das Abenteuer begann in Berlin bereits mit dem Packen. Der „Mix“ im Koffer war ganz anders als bei Urlaubs- oder Sportreisen: Gummistiefel, Arbeitshosen. Lang. Kurz. Wie viele? Arbeitshandschuhe, Sonnenschutz. Wie wird das Wetter?
Letztlich brachte mich die Bahn mit allen Zugverbindungen nahezu auf die Minute pünktlich zum Zielbahnhof, wo mich der Bauer in Empfang nahm.
Damit kam gleichzeitig zum Abenteuer das Glück. Die Familie hat mich sofort unglaublich freundlich und offen aufgenommen. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, auch hier angekommen zu sein. In der Familie und in der Realität. Kaum ausgepackt, stand ich auch schon zum ersten Mal im Stall. Auch von den Kühen, meinen täglichen Gefährtinnen, wurde ich freundlich integriert. Meine fixen Zeiten und Aufgaben morgens ab 5 Uhr und abends um 18.00 Uhr standen von da an fest und machten damit insgesamt gut sieben Stunden meiner täglichen Arbeit aus. Vor allem das Aufbereiten und Verfüttern der Silage gab mir viel Raum, über vieles nachzudenken und Ballast abzuwerfen.
Zwischen den Stallarbeiten war das zu tun, was eben anstand.

Am zweiten Tag stand so das Heuwenden in einer Steillage und danach das Einbringen an. Ich gebe zu: Das war eine echte Grenzerfahrung in mehrerlei Hinsicht. Hatten mir die ungewohnten Tätigkeiten schon nach wenigen Stunden völlig neue Muskelgruppen eröffnet, musste ich am Ende dieses Tages feststellen, wie begrenzt die Kräfte sein können – vor allem dann, wenn man sich ansonsten nur in der Ebene bewegt. Gleichzeitig mit dem Erkennen der eigenen Schwäche stieg die Bewunderung für die Menschen, die diese Anstrengungen immer bewältigen müssen. Die Wertschätzung für die Bauern und ihre Arbeit und damit für die Produkte sowie den Beitrag für die Landschaft und Natur kann nicht groß genug sein.
Damit relativiert sich auch der Blick auf das, was wir sonst beruflich wie privat als wichtig und essenziell erachten. So viel an dieser Stelle schon einmal vorab.

Neben den Stallarbeiten als festen Bestandteil meiner Aufgaben kam ein breites Spektrum an Arbeiten hinzu: Abstecken der ab der zweiten Woche täglich wechselnden Weideflächen für die Kühe, Arbeiten mit Heu, Nachschub von Heu und Stroh (Aufarbeiten der gepressten Ballen), Unterstützung beim Einholen des Brennholzes etc.

Drei weitere Höhepunkte möchte ich noch erwähnen: Das große und nahezu unbeschreibliche Glück, bei der mitternächtlichen Geburt eines Kälbchens Geburtshelfer zu sein und es mit auf die Welt zu ziehen. Und das Vorbereiten und Pressen neuer Ballen als Vorrat für die Kühe. Nicht nur das Mähen und die Vorbereitungen zur Aufnahme der Grasbahnen – für mich wieder einmal viel Arbeit mit dem Rechen – standen an, sondern auch das Pressen und die spannende Frage, wie viele Ballen es nun werden. In diesem Zusammenhang wurde auch deutlich, welche Auswirkungen die Folgen der Klimaerwärmung (zu wenig Regen, große Hitze) haben.

Zudem durfte ich die voll funktionsfähige historische Mühle, die zum Hof gehört, gründlich erkunden. Auch hier wird das Problem der knapper werdenden Wasserressourcen virulent.
Neben den sichtbaren Ergebnissen der Arbeit haben der Blick in die Bergwelt, Sonnenaufgänge und -untergänge, ein fast klarer, nicht durch die Lichtverschmutzung der Großstadt beeinträchtigter Sternenhimmel, die Wanderungen an den beiden freien Tagen und natürlich das gute Essen für Belohnung gesorgt.
Die vielen Gespräche mit der Familie haben mir auch tiefe und bereichernde Einblicke in das bäuerliche Leben und die damit verbundenen spezifischen Herausforderungen erlaubt. Dazu gehört auch das, was mir die beiden Söhne, beigebracht haben. Alles in allem habe ich auch noch selten so viel gelacht wie in diesen 16 Tagen.

In meinem Rückreisegepäck sind nicht nur Speck und Kaminwurzen, die ich von der Familie bekommen habe. Ich bringe neben den Erfahrungen in einer neuen Welt vor allem einen anderen Blick auf den Wert von Lebensmitteln, auf die Natur und ihren Wert sowie einen noch bewussteren Umgang mit Ressourcen mit.

Ich bedanke mich herzlich und aufrichtig dafür, dass ich das alles erleben durfte! Dieser Dank richtet sich insbesondere an die Bauernfamilie! Auch danke ich dem Team der Bergbauernhilfe Südtirol für seine tolle Arbeit, die Beratung und die Koordinierung des Einsatzes!

Ich komme gerne wieder!
Herzliche Grüße von einem glücklichen Albert aus Berlin