Erlebnisbericht aus dem Vinschgau – Juni 2026

Erlebnisbericht aus dem Vinschgau – Juni 2026

Eine Woche „Glücksarbeit“ im schönen Matschertal

Schon die Anreise nach Südtirol fühlte sich an wie der Beginn eines kleinen Abenteuers. Mit Bus und Bahn durch die Berge zu fahren, war einfach wunderbar – die Landschaft zog an mir vorbei, und ich spürte, wie die Vorfreude in mir wuchs. Ich kannte den Hof bereits vom letzten Jahr, und genau deshalb freute ich mich so sehr darauf, wieder mit anzupacken.

Eigentlich wollte ich beim Heumachen helfen. Ich hatte das Bild schon im Kopf: der Duft von frisch geschnittenem Gras, die Sonne auf der Haut, das Gefühl, abends völlig erschöpft, aber zufrieden ins Bett zu fallen. Doch Südtirol hatte andere Pläne. Kälte. Regen. Und dann tatsächlich Schnee im Juni. Schnee, der wie ein stiller Kommentar vom Himmel fiel: „Vergiss deine Erwartungen.“

Stattdessen rückte der Stall in den Mittelpunkt meines Alltags. Morgens, mittags und abends war ich bei den Kühen. Runde Kuhaugen musterten mich, als wollten sie sagen: „Na, wieder da?“ Ich habe ausgemistet, vorgemolken, gefüttert und mich um die Kälbchen und Schweine gekümmert. Und wieder merkte ich schnell, wie sehr mir diese Arbeit guttat und mich erfüllte. Sie zwingt mich, präsent zu sein. Sie lässt keinen Raum für Grübeln oder Getriebenheit. Diese Mischung aus Nähe, Natur und ehrlicher Arbeit machte mich unglaublich glücklich.

Die restliche Zeit half ich beim Reinigen der Ferienwohnungen oder im Haushalt. Auch das gehörte zum Hofleben dazu, und ich machte es gern. Es klingt banal, aber es war ein Teil des Ganzen.

Ein Teil dieses Hofes, der mich jedes Mal empfängt, als wäre ich nie weg gewesen. Vielleicht ist es genau das, was mich so berührt: dass ich dort nicht nur helfe, sondern dazugehöre. Für eine Woche bin ich nicht Gast, nicht Beobachterin, sondern ein winziges Stück Familie.

Und dann kommt der Moment des Abschieds. Jedes Mal denke ich, ich sei darauf vorbereitet. Und jedes Mal trifft es mich doch. Ich packe meinen Rucksack, gehe ein letztes Mal durch den Stall, streichle einer Kuh über die Stirn – und spüre, wie schwer es mir fällt, loszulassen. Ich wäre so gerne noch geblieben.

Doch gleichzeitig war ich erfüllt von tiefer Dankbarkeit. Für die Arbeit, die Nähe, die Ehrlichkeit dieses Lebens. Für das Gefühl, genau dort hingehört zu haben.

Die Woche hat mir wieder gezeigt, was im Alltag oft vergessen wird: dass Glück manchmal dort liegt, wo man sich die Hände schmutzig macht. Wo man müde ins Bett fällt, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Und ich weiß schon jetzt: Ich komme wieder!

Mit Demut blicke ich auf den unermüdlichen Einsatz der Bergbauern, die Tag für Tag unter härtesten Bedingungen unsere Alpenlandschaft bewahren.

Vielen, vielen Dank an alle, die mir diese Woche möglich gemacht haben.



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