10 Apr. Dolomiten – April 2026
Freiwillig anpacken: Von der Stadt direkt auf den Hof
VEREIN FREIWILLIGE ARBEITSEINSÄTZE: 205 Bergbauernhöfe wurden unterstützt – Zwei Drittel der Helfer aus Deutschland – Nur zehn Prozent Südtiroler
BOZEN. Den Duft von Heu in der Nase und die Hände schmutzig von der harten Arbeit im Stall: wer als Freiwilliger auf einem Bergbauernhof in Südtirol mit anpackt, erhält authentische Einblicke in das einfache Leben am Hof. Der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze Südtirol (VFA) macht dies möglich, indem er Interessierte an Höfe vermittelt, die dringend Unterstützung brauchen. Bei der gestrigen Vollversammlung zog der Verein Bilanz über das vergangene Jahr.
1.483 Freiwillige haben im vergangen Jahr dafür zum Teil ihren Alltag in der Großstadt gegen Mistgabel und Rechen eingetauscht. Auf 250 Bergbauernhöfen im ganzen Land unterstützen sie die Familien im Stall, auf der Weide, im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung. „Die Freiwilligen haben gemerkt, dass sie gebraucht werden und wurden dadurch in ihrem Tun bestätigt. Außerdem konnten wir beobachten, dass viele danach Produkte bewusster konsumieren und Lebensmittel anders wahrnehmen“, erklärte Monika Thaler, Koordinatorin des Vereins, bei der Vollversammlung.
Mit 1.562 Einsatztagen und insgesamt über 15.000 geleisteten Arbeitsstunden bleiben die freiwilligen Arbeitseinsätze ein wichtiger Eckpfeiler für den Fortbestand der Südtiroler Berglandwirtschaft. Für den Verein selbst sind jedoch auf finanzielle Zuwendungen entscheidend, betonte VFA-Obmann Georg Mayr: „Von den Bauern, die Freiwilligen aufnehmen, verlangen wir einen Beitrag von 50 Euro pro Jahr für den verwaltungstechnischen Aufwand.“ Dennoch seien zusätzliche Spenden und Fördermittel vom Land weiterhin von großer Bedeutung.
Zwei von drei Helfern kamen 2025 aus Deutschland, häufig aus Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Nur rund zehn Prozent der freiwilligen Helferinnen und Helfer stammen hingegen aus Südtirol selbst, eine Entwicklung, die Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher nachdenklich stimmt: „Das zeigt, dass wir den Südtirolern das Ehrenamt wieder näherbringen müssen. Wenn man helfen will, dann kann man es auch – und das muss deutlich werden.“ Der hohe Anteil an Freiwilligen im Alter von 60 Jahren oder älter zeigen zudem, wie wichtig es sei, auch jüngere Menschen zur Teilnahme zu motivieren. Soziallandesrätin Rosmarie Pamer hob besonders die Rolle des Vereins als unverzichtbares Bindeglied zwischen Freiwilligen und Höfen hervor: „Müssten Bäuerinnen und Bauern selbst nach Unterstützung suchen, wäre der organisatorische und bürokratische Aufwand enorm.“
Zudem wurde bei der Vollversammlung der Vorstand sowie die Kassaprüfer für weitere drei Jahre bestätigt. Damit bleibt unter anderem Georg Mayr auch nach 30 Jahren Vereinstätigkeit als Obmann und Vertreter des Südtiroler Bauernbunds an der Spitze.
