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Peter Michel aus Rosenheim schrieb am 15. August 2019 um 11:08
Bericht aus dem Martelltal Heute war mein letzter Arbeitstag. Ich sitze verschwitzt, voller Staub und ziemlich müffelnd auf der Bank vor „meinem Bauernhof“. Die Sonne brennt noch immer, obwohl es schon sehr später Nachmittag ist. Müde bin ich und zufrieden. Das Glas Bier, kühl und gut. Irgendwann werde ich duschen. Es gibt keine Eile. Die Jungbauern und der Schwiegervater machen die letzte Heuarbeit. In dieser Woche war es extrem heiß. Sehr heiß. Auch hier oben. 1600 m über dem Meer. Die ersten zwei Tage war ich beim Heumachen, so wie im letzten Jahr. Dann fragte mich die Mutter des Jungbauern, ob ich den Schafstall ausmisten möchte. Die anderen kämen jetzt nicht dazu und im Herbst, bevor die Schafe vom Madritschtal zurückkommen, würde der Mist so hart werden, dass das Ausmisten recht schwer wäre. Ich habe Tage gebraucht, um diese Mengen an Schafsmist zu bewältigen. Draußen brannte die Sonne herunter, im Stall lief mir das Wasser herunter. Zumindest konnte ich keinen Sonnenstich bekommen. In meinem bisherigen Leben habe ich nicht so viel Wasser getrunken wie in diesem Schafstall. Und doch, es war eine schöne Arbeit. Mit jeder Schubkarre wurde der Stall leerer. Das, und die Anerkennung der Familie, motivierte. Es wurden viele Schubkarren. Mittags hat mich die Altbäuerin mit ihrer Kochkunst verwöhnt. Und mit ihrem Mann gab es zum Nachtisch ein kleines Gläschen gekühlten Rotwein. So machte das Arbeiten Spaß. Es gab viel zu erzählen und viel zu lachen. Und ich nahm ein Kilo zu. Naja, eher zwei. Den letzten Tag half ich wieder beim Heuen. Unter heißer Sonne, im Angesicht weiß leuchtender Gletscher. So nah und doch so fern. Was hätte ich gegeben mich jetzt dort abzukühlen? Stattdessen wendete ich Heu und versuchte, nicht den Hang hinunterzufallen. Wie machten das nur die Jungbauern? Okay, der Jungbauer wurde hier geboren. Aber seine Frau? Aus dem Flachland. Wie eine Gämse bewegt sie sich im Steilhang. Schnell, leichtfüßig und sicher. Bewundernswert. So eine abgemähte steile Wiese hat mich auch eingeladen, darauf zu liegen und in die Ferne zu sehen. Ja, es war im wahrsten Wortsinn „Fernsehen“. Ich habe das täglich gemacht und die Natur um mich herum genossen. Jetzt aber trinke ich erst einmal mein Bier und später nach dem Duschen ganz sicher noch eines. Morgen werde ich mit der Altbäuerin auf die Alm fahren, um für ihren Mann, der seit über dreißig Jahren für mehrere Monate die Schafe weit oberhalb der Alm, bis auf 3000 m Höhe, betreut, Lebensmittel zu bringen. Die Tage sind schnell vergangen. Ohne Hektik, immer freundlich, verwöhnt von der außergewöhnlichen Natur und der sehr liebevollen Familie. Alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen und doch lässt sich auch hier der Zeitenwandel nicht leugnen. Ein aktuelles Thema sind die Wölfe, der Umgang mit ihnen und der Schutz der Schafe. Und die Klimaveränderung. Das bewegt die Menschen. Morgen gegen Abend werde ich nach Hause fahren. Der Abschied wird mir nicht mehr so schwerfallen wie im letzten Jahr. Denn ich werde wiederkommen, solange ich es kann. Jetzt werde ich mich erst einmal duschen.
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