10 Sep. Landwirt – September 2026
„Danke für die wertvolle Erfahrung“
Der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze beschäftigt im Sommer Praktikantinnen und Praktikanten, die dem Team im Büro in der intensivsten Zeit des Jahres unter die Arme greifen. In diesem Jahr war die Schülerin Silke Regele zu Gast. Und hat den VFA nicht nur unterstützt, sondern auch zutiefst gerührt.
Silke Regele ist Schülerin an der Fachoberschule für Landwirtschaft und war in diesem Sommer Praktikantin beim Verein Freiwillige Arbeitseinsätze. Koordinatorin Monika Thaler war von der Art, wie die junge Frau sie in der intensivsten Zeit des Jahres unterstützt hat, begeistert. Zum Dank und zum Abschied hat der Verein deshalb einen Post für die Sozialen Medien vorbereitet und die Schülerin darum gebeten, auf die Frage zu antworten, was sie von dem Praktikum für sich mitnimmt. „Ihre Antwort hat uns tief berührt und beinahe sprachlos gemacht“, erzählt Thaler. Denn Silke Regele hat ein klares Statement abgegeben:
„Ich nehme vor allem viele neue Erfahrungen, tolle Begegnungen und schöne Erinnerungen mit. Ich habe viel dazugelernt und durfte einen spannenden Einblick in die Arbeit beim Südtiroler Bauernbund bekommen. Besonders viel mitgenommen habe ich aus den verschiedensten Gesprächen mit Bauern und Freiwilligen. Dadurch dass ich selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen bin und dort lebe, kenne ich die Arbeiten und den Alltag auf einem Hof ja bestens. Ich weiß, welche Schwierigkeiten ein Hof mit sich bringen kann und wie schwierig es manchmal sein kann, einfach weiterzumachen. Man weiß nie genau, was einen erwartet und was der Tag mit sich bringt. Und das Besondere daran ist: Jeder Hof ist anders. Jeder Hof hat seine eigene Vergangenheit und bringt verschiedenste Herausforderungen mit sich. Gerade dieser Punkt wurde mir durch die Arbeit beim Verein Freiwillige Arbeitseinsätze noch einmal mehr bewusst. Obwohl ich selbst aus der Landwirtschaft komme und viele dieser Situationen kenne, habe ich durch die verschiedenen Bauern und ihre Geschichten noch einmal ganz andere Sichtweisen kennengelernt. Auch im Gespräch mit den Freiwilligen ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen sein können. Jeder Mensch tickt anders, hat andere Vorstellungen, andere Erfahrungen und andere Erwartungen. Manche sind ganz unkompliziert und kommen mit fast jeder Situation zurecht, andere hingegen sind anspruchsvoller und brauchen vielleicht etwas mehr Zeit, um sich an eine neue Situation zu gewöhnen. Jeder geht mit anderen Erwartungen zu einem Hof und jeder geht auch anders mit den Situationen um, die dort entstehen. Gerade diese Unterschiede fand ich sehr spannend zu beobachten. Noch etwas ist mir durch diese Zeit bewusster geworden: Wie wenig eigentlich viele Menschen über die Landwirtschaft wissen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung weiß wirklich, woher Milch und Milchprodukte kommen. Viele wissen zum Beispiel gar nicht, dass Heumilch nicht einfach Milch ist, die aus Heu hergestellt wird, sondern dass es sich dabei um eine bestimmte Art der Fütterung handelt. Für viele ist Milch einfach ein Produkt aus dem Supermarkt und wird mit Industrie verbunden. Wie viel Arbeit, Zeit und auch Verantwortung dahintersteckt, wissen nur die wenigsten. Und genau da wird mir besonders bewusst, welches Privileg ich habe, auf einem Bauernhof leben zu können. Ich kann miterleben, wie Lebensmittel produziert werden, kann meine eigenen Lebensmittel produzieren und weiß, woher das kommt, was bei mir auf dem Teller landet. Für mich war das eigentlich immer ,selbstverständlich‘, aber durch die vielen Gespräche und Begegnungen mit ,ahnungslosen Menschen‘ ist mir noch einmal mehr bewusst geworden, wie besonders das eigentlich ist. Auch mein Bild von Südtirol hat sich durch diese Zeit noch einmal verändert. Bereits vorher war mir bewusst, wie stark die Bauern zum Südtiroler Landschaftsbild beitragen. Jetzt weiß ich, das aber noch viel mehr zu schätzen. Was wäre unser Südtirol, wenn es nicht die vielen ,kleinen‘ Bauern gäbe, die jeden Tag ihre Wiesen bewirtschaften und auch Flächen mähen, die nur schwer zu bearbeiten sind? Ohne diese Arbeit würde unsere Landschaft ganz anders aussehen. Und auch für den Tourismus spielt die Landwirtschaft eine viel größere Rolle, als man vielleicht denkt. Die gepflegten Wiesen, Almen und Hänge gehören für viele Menschen einfach zu dem Bild von Südtirol dazu. Der Tourismus allein könnte das nicht ersetzen. Ohne die Berglandwirtschaft würde auch ein wichtiger Teil dessen verloren gehen, was Südtirol für Einheimische und Gäste so besonders macht. Und zuletzt möchte ich mich noch bei euch bedanken. Für die schöne Zeit hier bei euch, für die wertvollen Erfahrungen, die ich sammeln durfte, und vor allem für die schönen Erinnerungen, die ich mit nach Hause nehme. Es war ein so schöner Sommer hier bei euch! Eure Mühe und eure Geduld für mich ist bzw. war mir so viel wert. Euer Vertrauen in mich war groß. Danke für die vielen Gespräche, das gemeinsame Lachen und die herzliche Aufnahme in eurem Team.
Danke, danke, danke.