10 Sep. TopIQ- September 2026
Steile Leistung
Freiwillige Bergbauernhilfe in Südtirol
Martina Gruber
Matsch, ein Bergbauerndorf, wunderschön im Vinschgau auf 1560 m Seehöhe gelegen, mit Blick auf die Ortler-Gruppe und in das Matscher Tal. Es lässt sich dort auch vorzüglich Zeit als Helfer:in bei einem der ansässigen Bauern verbringen.
Was Matsch ganz besonders macht ist, dass alle Höfe dort überzeugte Bio- Betriebe sind und ausschließlich den Regeln der biologischen Landwirtschaft und des respektvollen Umgangs mit der Natur folgen. Um diese Überzeugung gemeinsam zu leben, sich gegenseitig zu unterstützen und ihre Produkte, wie Milch, Butter, Käse, Schinken, Fleisch und Kräuter auch gemeinsam zu vermarkten, haben sich die Bio-Höfe in einer eigenverwalteten Fraktion zusammengeschlossen. All das waren perfekte Voraussetzungen, um dieses Jahr im Juli meinen langgehegten Wunsch, einmal Zeit im Sommer auf einem Bergbauernhof zu verbringen und mitzuarbeiten, nun endlich umzusetzen. Gemeinsam mit meiner Cousine Barbara aus der Nähe von Osnabrück/ Deutschland verbrachte ich zwei Wochen als freiwillige Helferin in Matsch am Kartatschhof, wo wir von Siegfrid und Ramona herzlich willkommen geheißen und von Anfang an bestens in ihren Alltag am Hof integriert wurden. Für die gesamte Zeit unseres Arbeitseinsatzes wurden wir mit köstlichem Essen versorgt, wobei Ramona so viele Zutaten wie möglich aus der hofeigenen Produktion verwendete. Die Mahlzeiten nahmen wir immer gemeinsam mit der Familie ein.
Die Zeit in Matsch
Obwohl ich auf einer großen Landwirtschaft in einer hügeligen Gegend in Kärnten aufgewachsen bin und dort von Kindesbeinen an überall umfangreich mitgearbeitet hatte und viel Erfahrung mitbringen konnte, war die Arbeit auf diesen sehr steilen Hängen in Matsch eine ganz neue Erfahrung. Auch wenn es höchst spezialisierte Maschinen für steiles Gelände zur Unterstützung gab, konnte aufgrund der extrem abschüssigen Hänge vieles nur händisch gemacht werden. Dazu zählten vor allem das Wenden des werdenden Heus mit der Heugabel, das Abrechen der sehr steilen und sehr hohen Böschungen sowie das händische Formen von Schwaden, nachdem große Mengen vom getrockneten Heu von den für Maschinen unzugänglichen Wiesenbereichen zusammengerecht waren. Nach dem ausgezeichneten Frühstück, wenn Siegfried zuvor schon ganz früh zum Mähen auf seinen Flächen war, ging es für uns über Schotterwege und Wiesen ein ganzes Stück hinauf zu den verschiedenen Hängen, die es zu bearbeiten galt. Und jedes Mal bot sich uns ein überwältigender Blick auf die umliegende Bergwelt – ganz gleich, in welche Richtung man schaute.
Besondere Momente
Oben angekommen, konnte ein neuer Tag voller Kraft- und Klettereinsatz beginnen. Ausgerüstet mit Heugabel und Rechen, mitten im Duft des frisch geschnittenen Grases, machten wir uns an die Arbeit. Es war anstrengend, manchmal schweißtreibend und forderte uns einiges ab. Doch umso größer war die Freude und der Stolz, wenn nach unzähligen Stunden wieder eine der weitläufigen Flächen geschafft war und das Heu sicher im Stadel auf dem Hof lag. Diese Momente waren etwas ganz Besonderes: die Müdigkeit in den Knochen, der Duft des Heus, der Blick auf die Berge und das gute Gefühl, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Eine Arbeit, die Kraft kostete – aber zugleich unglaublich viel zurückgab. Jeden Abend gingen wir mit einem wunderbaren Gefühl ins Bett – erschöpft von den Anstrengungen und Erlebnissen des Tages, aber zugleich rundum zufrieden. Bei weit geöffnetem Fenster lauschten wir dem beruhigenden Rauschen des Baches, spürten die kühle Abendluft und schliefen glücklich und entspannt ein. Wenn wir grade nicht auf den Hängen zum Heu machen unterwegs waren, gab es auch Arbeiten am Hof, die wir erledigten, wie das Befüllen eines 12 m langen Hochbeets mit mehreren Schichten (grobe Äste zur Belüftung, Holzschnitzel, Laub und Grünschnitt, sowie Mist/ Stroh, Kompost und Erde), das Ernten der reifen Erdbeeren und Ribisl oder Rasenmähen ums Haus, Unkraut jäten in den vielen Gemüsebeeten oder auch das Reinigen der Ferienwohnungen bei Gästewechsel. All das gehörte auch zum Hofleben dazu.
Unser Aufenthalt am Kartatschhof war jedoch nicht nur von Arbeit geprägt. Es blieben auch einige freie Stunden, in denen wir die Umgebung erkunden und die wunderschönen, nahe gelegenen Orte entdecken konnten. So besuchten wir unter anderem Mals, Schlanders und Schluderns mit der beeindruckenden Churburg. Auch ein Ausflug nach Meran durfte nicht fehlen, wo uns nicht nur die Stadt sondern auch die großartigen Gärten von Schloss Trauttmansdorff besonders beeindruckten. Zusammenfassend waren es zwei Wochen voller Zufriedenheit, wertvoller Erfahrungen und schöner Gespräche im wunderschönen Matschertal. Zwei Wochen, die keinen Raum zum Grübeln ließen, die einem viel über sich selbst beibrachten und einem einmal mehr bewusst machten, welchen Wert man als Mensch hat, wenn man sich dort einbringt und nützlich macht, wo Hilfe wirklich gebraucht wird.
