Dolomiten – Oktober 2019

Dolomiten – Oktober 2019

„Bleibt uns treu, steckt andere an“

FEIER: Verein Freiwillige Arbeitseinsätze dankt Helfern auf den Höfen und Unterstützern – Land erhöht Beitrag und lindert Geldsorgen

SARNTHEIN (br). „Bitten macht uns nicht kleiner, sondern größer, und es zeigt, dass wir einander brauchen“, sagte Pfarrer Pater Basilius Schlögl bei der Erntedankfeier des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze am Samstag in Sarnthein. Um Hilfe gebeten haben heuer 294 Südtiroler Bergbauern, gekommen sind 2095 freiwillige Helfer, die mit anpackten.

Bilder ließen das Jahr Revue passieren und weckten Erinnerungen an die Heuernte im Steilhang, bei der man schwindelfrei sein muss, an die Holzarbeit, die richtig Knochenarbeit war, oder an das Zusammenhocken in der Stube an Regentagen. „Danke für alles, was ihr getan habt“, sagte Obmann Georg Mayr. Viele Helfer, aber auch Bauern waren gekommen, um gemeinsam Erntedank zu feiern. Das Klarinettenquartett „Afing 4 clarissimi“ gestaltete die Feier mit. Die Helfer kommen vielfach aus den Städten. So bietet die Zeit auf den Höfen Einblick in ein ganz anderes Leben, und es macht zufrieden. „Auch wenn ich am Abend geschafft bin, war es ein erfüllter Tag: So sagen viele“, weiß Mayr. Damit sei der Einsatz auf den Berghöfen eine unentbehrliche Hilfe für die Bauern geworden, aber auch eine Bereicherung für die Helfer. „Ihr seid unsere Kraft; bitte werdet nicht müde, bitte bleibt uns treu und steckt andere an“,sagte Monika Thaler, die Koordinatorin des Vereins, die Helfer und hilfesuchende Bauern zusammenbringt. „Gute Taten geben uns Stärke“, betonte Soziallandesrätin Waltraud Deeg. Auch sie dankte den vielen Helfern, die da sind, wo Not an Mann oder Frau ist. Das Land hat seinen Beitrag an den Verein erhöht, der auf Unterstützung von außen angewiesen ist. Denn eigene Einkünfte hat er nicht. Mit dem aufgestockten Beitrag entspannt sich die finanzielle Lage etwas. Was bleibt ist Sankt Bürokratius, der alles nicht leichter macht. Auch Bürgermeister Christian Reichsigl dankte den Freiwilligen, ebenso die Vertreter der Trägerorganisationen: Leo Tiefenthaler für den Bauernbund, Claudia Tscholl für die Lebenshilfe, Kevin Hofer für den Jugendring und Brigitte Hofmann für die Caritas.

DAS JAHR IN ZAHLEN

Wieder ein Erfolg

SARNTHEIN (br). Der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze kann auf eine Erfolgsgeschichte verweisen: 40 Helfer gab es im Gründungsjahr 1996, 2414 im Rekordjahr 2014. Gut ist auch das heurige Jahr. 2095 Helfer packten auf den Höfen mit an und leisteten 19.048 Einsatztage. Mit 69,3 Prozent stellte Deutschland die größte Gruppe an Helfern. 14,8 Prozent kamen aus Südtirol, 11,5 Prozent aus anderen italienischen Provinzen. Dies ist ein deutlicher Zuwachs. 53,1 Prozent der Helfer sind Männer. Damit haben sie die Frauen überholt. 24,9 Prozent sind Jugendliche bis 30. Sie stellen die zahlenmäßig stärkste Altersgruppe, gefolgt von den Jahrgängen 1950 bis 1959. 294 Bauern stellten ein Ansuchen um Hilfe. Diese Zahl ist leicht rückläufig.

3 FRAGEN AN

Dr. Hubert Messner, Kinderarzt und Erntehelfer

„Dolomiten“: Herr Dr. Messner, nach Ihrer Pensionierung als Primar meldeten Sie sich für einen freiwilligen Arbeitseinsatz. Was bewog Sie dazu? Dr. Hubert Messner: Ich bin mir bewusst, dass unsere Bergbauern das Landschaftsbild prägen und erhalten. Ich wollte für diese Arbeit einen Beitrag leisten und zugleich auch die Wertschätzung, die ich ihnen gegenüber empfinde, ausdrücken. „D“: Was beeindruckte Sie besonders? Dr. Messner: Die große Zufriedenheit dieser Menschen oben am Berg, ihre Gelassenheit, ihre Verbundenheit mit der Natur, ihr Selbstbewusstsein und die Selbstverständlichkeit ihrer Lebensform. Für sie ist das einfache, entbehrungsreiche Leben ganz normal, und wir können viel davon lernen. „D“: Werden Sie sich wieder für einen freiwilligen Arbeitseinsatz auf einem Bergbauernhof melden? Dr. Messner: Ja. Ich habe viele neue Talente in mir entdeckt. Der Bauer hat uns gefordert, aber auch Verantwortung übertragen und uns Helfern große Wertschätzung entgegengebracht.

DANK DER BÄUERIN

„Es ist ein Geschenk“

SARNTHEIN (br). „Ich habe großes Glück und viel Unterstützung“, sagte Margit Kaserer (Bild), Bäuerin auf dem Obkirchhof in Martell. Bei der Erntedankfeier des Vereins Freiwillige Arbeitseinsätze sprach sie für die Bauern, für die die Helfer eine große Stütze in schwierigen Zeiten sind. „Es ist ein Geschenk, wenn Menschen viele Stunden, manchmal ihren ganzen Urlaub für den Einsatz auf dem Berghof opfern. Ihr macht jede Arbeit mit uns mit“, betonte Kaserer. Sie dankte den Helfern für ihr Lachen, ihr Da-Sein und ihre fleißigen Hände.

4 Trägerorganisationen stehen hinter dem Verein Freiwillige Arbeitseinsätze: der Südtiroler Bauernbund, die Caritas, die Lebenshilfe und der Südtiroler Jugendring. Für die Mitarbeiter im Büro gab’s Blumen oder eine Flasche Wein (v. l.): Martina Weiss, Manuel Kröss, Koordinatorin Monika Thaler und Alexandra Telch.

Es kommt darauf an, dass man helfen will und dass man helfen kann. Ihr habt geholfen. Danke jedem einzelnen!“

Georg Mayr, Verein Freiwillige Arbeitseinsätze