Merian – August 2019

Merian – August 2019

Biete Hilfe, suche Hof!

ALS MAGD AUF DER ALM Sonnige Tage und eiskalte Nächte, geschäftiger Lärm und unglaubliche Stille, wenige Pausen und viel Arbeit – das war der Rhythmus, in den ich eintauchte, als ich als >>Magd auf Zeit<< bei einer Südtiroler Bergbauernfamilie wohnte. Der Bozner >>Verein Freiwillige Arbeitseinsätze<<, der seit 1997 ehrenamtliche Helfer an Bergbauern zwischen Vinschgau und Pustertal vermittelt, hatte mich für einige Oktobertage auf dem Tumpfhof einquartiert, ein 500 Jahre altes Gehöft aus verwittertem Lärchenholz, das sich auf 1600 Metern Höhe an den Steilhang über dem Ultental klammert. Hier sollte ich Ilse und Heinrich Breitenberger zur Hand gehen, ihren fünf Kindern samt Oma, Opa, Onkel und Tante.

Doch am Ende nahm ich mehr mit, als ich geben konnte. Denn von den Breitenbergers lernte ich nicht nur, wie man Bergfichten in Brennholz verwandelt, randvoll gefüllte Schubkarren unfallfrei zum Misthaufen wuchtet und >>Muas<< kocht, die rahmig-süße Südtiroler Bauernspeise aus Maismehl und Milch. Ich erfuhr auch, wie beglückend trotz aller Entbehrungen ein Leben sein kann, das dem Takt der Natur folgt.

Noch vor dem Frühstück melken und den Kuhstall ausmisten, dann schnell zur Heuernte auf den Steilhang – alle müssen mit, der erste Schnee kann jeden Tag kommen! Krafttanken mit Gulasch und Kraut vom eigenen Hof, dann die letzten Rüben des Jahres aus dem Bauerngartenbeet ziehen. Einen Teller voll Speck und Schüttelbrot bei der Marende genießen, der traditionellen Fünf-Uhr Brotzeit. Dann noch kauend erneut in den Stall, noch mal melken, noch mal ausmisten – und ab ins Bett! Den Körper machen solche Tage müde. Meinen Kopf aber ließen sie so wach zurück wie lange nicht. Weil alles, was ich tat, sinnvoll erschien. Selbst der Müll, den ich produzierte, hatte hier oben seinen Zweck: Aus den Essensresten wurde Schweinefutter, in die leeren Saftflaschen füllte die Oma ihr selbst gemachtes Minzwasser.

So ein Leben, wie es die Breitenbergers wagen, ist inzwischen ein ständiger Existenzkampf. Denn den stagnierenden Milchpreis können sie nicht wie die Bauern im Tal durch ein Mehr an Produktionsmasse wettmachen: Die schroffen Hänge lassen sich oft nur per Hand mähen. Zum Glück hat die Familie kluge Ideen, wie sie trotzdem überleben können: etwa mit ihren Haflingern in die Stutenmilchproduktion einzusteigen. >> Bergbauern sein ist ein Traum<< sagte mir Ilse. Den gebe man doch nicht so schnell auf. Und da hatte sie recht – wie immer in diesen Tagen.

Kristina Maroldt

Der Verein >>Freiwillige Arbeitseinsätze<< des Südtiroler Bauernbundes vermittelt gesunde und körperlich fitte Ehrenamtliche über 18 an rund 300 Bergbauernhöfe in der Region. Unterkunft und Verpflegung werden von den Höfen gestellt. Ideal ist eine Einsatzdauer von ein bis vier Wochen. Tel. 0039 0471 999309, www.bergabuernhilfe.it